Zum Abschied hast du mir Tomaten geschenkt. Dann machte ich mich auf, um töten zu gehen.

Danke, mir gehts gut. Nein, ich brauche nichts. Und nein, nein, ich brauche dich nicht. Habe nur grad ein bisschen Kopfschmerzen, aber das wird schon wieder.

Zwei Minuten später, als sie gegangen ist:
Ich lebe, damit ich bald sterben kann.
Ich singe, damit ich nichts mehr von dieser Welt hören muss.
Ich betäube mich mit Gedanken, die vom Sterben handeln.
Ich hasse.
Ich möchte töten.
Ich möchte alles verabscheuen.
Nie wieder normal werden.
Nie wieder lieben.
Nie wieder für das Gute einstehen.
Nie wieder sanft sein.
Und nie wieder fühlen.

Und das alles nur, damit ich dich nicht verlieren muss.

Die Kopfschmerzen gehen nicht weg. Natürlich nicht. Ich rase. Ich renne. Ich springe. Von einem Augenblick zum nächsten. Von einem Gefühl zum nächsten. Von Liebe zu Hass. Von verzeihen zu verdammen. Von ewig verloren sein zu erlöst sein. Und ja, die Erlösung soll kommen. Bald. Bald.

Schau mich jetzt an. Wie ich weine. Wie die Tränen mir die Backen runterkullern. Wie ich dich vermisse. Wie ich dich liebe. Wieviel du mir bedeutest. Wie alles anders werden soll. Wie die Welt doch irgendwie mein Zuhause werden soll. Wie alles relativ wird und ich stöhne. Wie ich an dich denke, während ich mich bereit mache, um die Nacht zu durchwandern, den Tag zu überstehen, die Hitze zu ertragen. Wie ich alles will und gleichzeitig nichts. Wie Gott am Himmel schreibt und Jesus im Grab singt. Wie die Engel husten und Petrus den Himmel für alle weit öffnet und den Schlüssel der Himmelspforte in die Endlichkeit wirft. Wie ein Esel spricht und ein Pferd ein langes Gesicht macht.

Und du.
Wie gehts dir?
Was machst du so?
Am Abend?
Am morgen?
Am Tag?
Leidest du oder kennst du keine Schmerzen mehr?
Denkst du ans Unendliche oder genügt dir das Endliche?
Und wann wurdest du das letzte mal berührt?
Wann hast du das letzte mal geheult?

Sehe es, wem danach ist.
Verstehe es, wer noch nicht tot ist.

Photo by Davies Designs Studio on Unsplash

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