Als ich gestorben war, wurde das Meer wieder ruhig. Ja, haben wir das doch alle gewusst.

Schnell, schnell. Ich gehe mich ertränken. Solange ich noch klar denken kann. Mehr oder weniger jedenfalls. Denn die Schmerzen werden stärker mit jedem Atemzug, den ich noch nehme. Mit jedem Gedanken werde ich mehr und mehr zerrissen. Mit jedem Schritt, den ich in irgendeine Richtung gehe, fühle ich mich schuldiger. Mit jedem Blick, den ich auffange, werde ich unsicherer.

Jetzt, jetzt. Ich werde genommen und verurteilt. Ich bekomme die Höchststrafe. Dafür, dass ich nicht dazugehöre. Mir wird fehlende Sozialkompetenz vorgeworfen. Bösartigkeit. Egoismus. Fehlende Empathie. Und Unwille, das alles zu verändern.

Schau, schau. Ich gehe nun hinein ins Meer. Meiner Strafe entgegen. So werde ich ausgeschlossen. Denn ich habe versagt. So lautet das gefällte Verdikt. Die Strafe vollziehe ich grad selber. Ich gehe mich auslöschen. Bis nichts mehr von mir übrig ist. Bis niemand mehr auf dieser Welt auch nur noch einen Gedanken an mich verschwenden muss. Bis niemand mehr von meiner Gegenwart gestört wird und unwillentlich heimgesucht wird.

Weg, weg. Ich bin weg. Gegangen.

Der Schmerz war zu gross. Mein Herz verblutet. Meine Seele verrissen. Und ich erwürgt.

Denn niemand wollte mich.

Für alle ungewollten Menschen.

Photo by Rubén Bagüés on Unsplash

 

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