Fuck you, death!

Sie hat es verpasst.
Als sie heute morgen aufgestanden ist, war sie noch zuversichtlich.
Als es dann aber darauf ankam, hat sie „es“ verpasst.
Wie schon so oft zuvor.
Wie IMMER zuvor.
Flüche sind im Mittelalter zurückgeblieben, sagt man.
Aber für sie ist es ein Fluch.

Jetzt wartet sie auf ihn und hofft, dass sie ihn nicht verpasst.
Wie so oft.
Wie IMMER zuvor.
Er meldet sich per Whatsapp-Nachricht.
Er sei aufgehalten worden, weil „es“ ihm im Weg gestanden habe.
Und „es“ war unbarmherzig zu ihm. Ein Gegner der Liebe.

Ein Auto kam angefahren. Und erfasste ihn.
„Es“ lachte nur und hatte seinen Dienst damit erfüllt.

Sie wartete deshalb vergeblich auf ihn.
Dann ging sie nach Hause, um am nächsten Tag „es“ nicht zu verpassen.
Diesmal bestimmt nicht.

Und diesmal verpasste sie „es“ nicht. Denn „es“ wartete bereits auf sie.
An der Kreuzung. Und fuhr frontal in sie hinein. Sie war mit dem Velo unterwegs.
„Es“ war nicht dieses Auto, das in sie hineinfuhr, aber es hatte daraufhin seinen Job erledigt.
Denn „es“ war der Tod.

Sie starb noch auf der Unfallstelle.

Die beiden „es“ (das „es“ von ihm und das „es“ von ihr) gingen daraufhin feiern.

Protzig gingen sie feiern. Mit üppigen Speisen. Mit Drinks. Mit Musik. Mit Tanz.

* * *

Der Tod wurde aber betrogen.
Denn die beiden, sie und er, kamen in eine neue Welt. Sie kamen nach Hause.

Und dort trafen sie sich jetzt auch. Für dieses Aufeinandertreffen waren sie bestimmt worden. Nichts konnte mehr dazwischenkommen. Denn der Tod hatte seine Karten verspielt. Er muss zurück auf der Erde bleiben und kann in dieser neuen Welt nicht mehr eingreifen.

Er ist der Verlierer. Auf der Erde kann er feiern solange er will und soviel er will. Aber er ist eingesperrt. Und merkt es noch gar nicht. Eingesperrt auf der Erde, von wo er nicht entfliehen kann.

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