Der Sprung.

Der Abgrund rollt auf sie zu. Schon lange rollt er auf sie zu. Als er damals gegangen ist, da hat er keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Er hat nichts für sie hinterlassen. Als man ihn dann gefunden hat, hat sie ihn identifizieren müssen. Denn seine Eltern leben weit weg in einem fernen Land.

Jetzt steht sie selber vor der gleichen Entscheidung, vor der er damals gestanden hat.

Sie ist schwach. Belagert, verletzt und gedemütigt. Wenn sie durch die Strassen läuft, dann ist sie angreifbar. Die anderen sehen das und nutzen es sofort aus. Am Ende des Tages liegt sie im Bett und will heulen. Doch sie kann nicht heulen, denn sie gibt sich selber die Schuld dafür, immer wieder ausgelacht und dumm angemacht zu werden.

Sie mag nicht mehr. Sie hat genug. Wenn sie dafür eine Lösung bereit hätte, dann könnte sie daran arbeiten und Ergebnisse erzielen. Aber sie ist planlos. Ratlos.

Angst macht sich breit in ihr. Angst vor den anderen Menschen da draussen. Angst vor jeder Begegnung auf der Strasse. Angst vor den Reaktionen der anderen, wenn sie an ihnen vorbeiläuft. Sie will sich ändern. Anpassen. Damit sie selbstbewusster wird, selbstbewusster wirkt und man sie dann in Ruhe lässt. Aber dieses Unterfangen hat bis jetzt nicht geklappt.

Sie will hinunterspringen.

Da erklingt eine Melodie, die sanft und sehr schön und wie von einem anderen Ort kommt. Eine Melodie, die sie genau zu kennen scheint und sie im Innersten anspricht. Sie lauscht dieser Melodie.

Dann entscheidet sie sich, dieser Melodie zu folgen und nicht zu springen. Was in ihr wieder wachgerüttelt wurde, dem will sie auf die Spur gehen und die Hoffnung nicht aufgeben.

Denn: Die Melodie gibt es wirklich und sie wird sie durch ihr Leben begleiten.

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