Es war jetzt zwölf Uhr dreissig. Sie sass mit ihm in einem Café.

Voller Chaos war ihre Welt und als die Uhr zwölf schlug, wollte sie springen.

Ihre Gedanken gingen zurück. Weit zurück. Als Mama sie fallen liess und nicht auffing. Als Papa verschwand, weil er das Gefühl hatte, gescheitert zu sein. An diesem Tag zwitscherten die Vögel und die Sonne schien. Aber ihr Herz wurde an diesem Tag gebrochen.

Das Glas fiel zu Boden. Die Scherben verteilten sich über den Boden. Er nahm den Besen, wischte alles zusammen und warf die Scherben in den Müll.

Die Uhr hörte auf zu schlagen. Es war jetzt kurz nach zwölf Uhr. Und sie stand unbeweglich auf der Brücke.

Sie hörte Mama, die sie anschrie. Sie liess los, liess sich fallen, aber Mama fing sie nicht auf. Sie fiel und dann zerbrach ihr Herz. Mit einem Besen wischte Mama ihr zerbrochenes Herz zusammen und warf die Teilchen in den Müll. Dann hatte sie genug von ihr. Endgültig. Sagte Mama zu ihr.

Der Wind zog über die Brücke. Es war kalt. Natürlich war es kalt.

Nachdem er die Scherben der Tasse in den Müll geworfen hatte, machte er sich auf und verliess das Haus.

Sie dachte jetzt an Papa. Dieser verliess sie und ihre Mutter als sie noch sehr klein war. Seine Abschiedsworte waren: „Ich bin gescheitert. Ich sage dann mal tschüss.“ Dann ging er. Trat aus ihrem Leben.

Sie dachte, dass sie jetzt doch erwachsen sei. Über dem allem längst stehen müsste. Aber: Sie stand nicht drüber. Gar nicht.

Er hatte das Haus verlassen und sein Weg führte ihn auch über die Brücke, wo sie stand und bereit war zum Springen.

Sie entschied sich. Sie wollte springen.

Er betrat die Brücke.

Dann sah sie ihn. Sie sah, wie er viele kleine Teilchen auf seinen Händen trug. Sie hielt inne. Er kam auf sie zu.

Er hielt ihr die Teilchen hin: „Nimm sie! Sie werden sich in deinen Händen wieder zu einem Ganzen zusammenfügen.“ Sie nahm all die kleinen Teilchen.

Als sie die Teilchen in ihren Händen hielt, fügten sie sich langsam wieder zusammen.

Es war jetzt zwölf Uhr dreissig. Sie sass mit ihm in einem Café.

Nach der Begegnung auf der Brücke hatte sie sich entschieden, nicht zu springen. Dann hatten sie sich einen Ort zum Reden gesucht.

Sie schaute auf ihre Hände. Die Teilchen hatten sich jetzt alle miteinander verbunden. Sie bildeten ein Herz. Ein Herz, das zerbrochen worden war und jetzt  wieder zusammengefügt war.

Es war ihr Herz.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s