Diese würde man aber erst sehen, wenn die Dunkelheit über dem Land sich wieder verzogen haben würde.

Schon seit zwei Wochen war es dunkel. Es war aber nicht stickig, denn ab und zu blies ein Wind. Aber es war stockdunkel.

Das Kind sass am Boden. Es sah nichts.

Die Eltern waren gegangen. Auf Deutsch: Die Eltern hatten ihr Kind verlassen. Sie, die Mama war der Dunkelheit entflohen. In ein fernes Land. Er, der Papa war schon früher gegangen. Hatte nicht gesagt, wo er hingehen würde. Aber auch er war weg.

Das Land, wo sich das Kind befand, war kein exotisches. Klein, aber fein, würden manche sagen. Genau wie ein Uhrwerk verwaltet es seinen Reichtum und strebt nach mehr davon. Will nach eigenen Angaben immer nur schlichten, für niemanden Partei ergreifen.

Auch nicht für dieses Kind. Denn das Land ist ja neutral.

Wahrlich dunkle Zeiten, wenn ein Land seine Kinder so behandelt und sich nicht um sie kümmert.

* * *

Das Kind wurde grösser. Seine Jugend verbrachte es in rosaroter Umgebung durchsetzt mit fiesen schwarzen Schwaden, die immer wieder durch die Luft zogen und es einnahmen.

Es wurde erwachsen und ein Nebelschwaden zog über das Land. Der war grau und nicht einmal schwarz. Aber gegen das grau verloren einige die Hoffnung. Einige im Land bekämpften diese Nebelschwaden. Mit pinkem Atem und violetter Liebe. Einige der grauen Nebelschwaden wurden daraufhin ganz pink und einige violett, sodass die Hoffnungslosen und Resignierten neue Hoffnung und neue Zuversicht schöpften.

Das Kind wollte das Land zu einem fühlenden Wesen machen. Es wollte das Geräusch von Geld und die Teilnahmslosigkeit gegenüber Nichtlandesgenossen mit Mitgefühl, Freundlichkeit und Gastgeberschaft ersetzen. Dem Kind schlossen sich viele Mitstreiter und Mitstreiterinnen an. Das war wichtig für das Land.

Manchmal dachte das erwachsene Kind an Mama. Manchmal an Papa. Manchmal an beide. Dann hielt es inne mit der Sache, mit der es grad beschäftigt war.

Aber Mama und Papa tauchten nicht wieder auf.

Jedoch die Vision von einem mitfühlenden Land begleitete das Kind sein ganzes Leben lang.

Nach vielen Jahren zog wieder eine Dunkelheit über das Land auf. Das Kind aber leuchtete diesmal von Innen heraus. Es war in blau, rot, gelb und türkis gekleidet.

Als es stockdunkel über dem Land wurde, wurde das Kind entrückt. Dort wo es sich aufgehalten hatte, blieben einige Farbtupfer zurück, die von seiner Kleidung auf den Boden und die Umgebung abgefärbt hatten.

Diese würde man aber erst sehen, wenn die Dunkelheit über dem Land sich wieder verzogen haben würde.

 

 

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