Du sagtest mir, ich solle nicht traurig sein, Gott sei ja bei mir. Aber ich muss dir sagen, ich glaube nicht mehr an Gott.

Du sagtest mir, ich solle nicht traurig sein, Gott sei bei mir. Ich glaube nicht mehr an Gott. Du sagtest mir, dass du mich liebst und immer für mich da sein wirst. Ich glaube nicht mehr an diese Liebe. Und ich weiss nicht, ob ich wirklich will, dass du immer bei mir bist. Du sagtest mir, ich werde einmal ganz glücklich sein, es ganz schaffen. Ich glaube nicht mehr an dieses Glück.

Du sagtest mir nie, dass du mich verstehst. Du hast mich vielleicht auch nie richtig verstanden. Du sagtest mir nie, dass ich mich mit mir beschäftigen solle. Ich mache es aber jetzt. Du sagtest mir nie, dass ich meinem Inneren vertrauen kann und soll. Ich hätte mir gewünscht, dass du das gesagt hättest.

Ich hätte mir gewünscht, dass du mich hättest gehen lassen. Geboren, um in Freiheit zu leben. Ich hätte mir gewünscht, dass du mich in die Freiheit entlassen hättest. Ich hätte mir von dir gewünscht, dass du mir ein Wegweiser zum Finden von mir selbst gewesen wärst, dass du mich ermutigt hättest, radikal nach mir zu suchen.

Ich bin nicht du und du bist nicht ich. Und wenn ich traurig bin, wo ist das Problem. Und jetzt will ich dir vielleicht auch gar nicht mehr alles von mir sagen und zeigen. Ich will mein Intimstes für mich behalten. Es gilt weise zu sein, indem, was und wann man anderen intime Dinge über sich preisgibt. Und ich kenne dich ehrlich gesagt zu wenig, als dass ich dir einfach alles von mir so erzählen würde.

Ich bin ich. Ich habe meinen Weg. Ich spüre mich. Ich nehme mich wahr. Ich bin mir nahe, weil ich tagtäglich mit mir zusammen bin. Ich mag zwar ein kleines Menschlein unter so Vielen hier auf dieser Welt sein, aber ich habe etwas zu geben. Offensichtlich oder subtil (vordergründig) verborgen. Und ich bin auch da, um mich zu lieben. Um mich so zu lieben, wie ich bin.

Also, wenn ich traurig bin, ist es dann vielleicht meine Möglichkeit, mir so nahe wie sonst nie zu sein?

2 Kommentare zu „Du sagtest mir, ich solle nicht traurig sein, Gott sei ja bei mir. Aber ich muss dir sagen, ich glaube nicht mehr an Gott.

    1. Da gebe ich dir vollkommen Recht. Ich denke auch, dass wir Menschen Liebe zuerst empfangen „müssen“, um dann geben zu können. Und um sich selbst lieben zu können. Wenn mich jetzt niemand liebt…Da hätte ich jetzt auch grad nicht die Antwort.

      Martin Buber habe ich noch nicht gelesen. Aber wenn er das auch so sagt, dann hat er sicher Recht:-).

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