Sie liegen beieinander bis zum nächsten Morgen, wo die guten Wörter mit ihnen aufstehen.

Er schaut in den Himmel. Wörter fliegen wild durcheinander. Er kann sich nicht entscheiden. All die Wörter wollen sprechen. Er hat Ohren für alle. Er will mit allen Reden. Obwohl er eigentlich gerne seine Ruhe haben möchte. Denn all die Wörter begleiten ihn schon seit Wochen. Und er ist davon müde. Denn: Eigentlich ist er traurig. Will vielleicht niemand hören, aber was soll er denn sonst über sich sagen?

Es wird Abend und die Wörter lösen sich langsam auf. Die Nacht beginnt und er legt sich wortlos schlafen. Am Morgen erwachen auch die Wörter wieder. Sie bewegen ihn dazu, aufzustehen. Denn es sind eigentlich angenehme Wörter. Die lästigen, traurigen, schwierigen Wörter sind noch nicht aufgestanden. Die stehen meist so um 11 Uhr auf. Einige, die verwirrenden und komische Gefühle verbreitenden Wörter stehen so um 14 Uhr am Nachmittag auf. Einige schlafen durch den Tag und kommen dann erst am Abend dazu. Die Wörter, die ihn an Vergangenes erinnern, alte Wunden aufreissen und ihm vorgaukeln, dass sie ihn bestimmen können. Sie verschweigen gerne, dass der nächste Morgen mit guten Wörtern wartet.

Ich weiss nicht, ob es schon mal vorgekommen ist, dass alle Wörter sich zur gleichen Zeit versammelt haben. Wie würde es ihm dann gehen? Wäre er dann ausgeglichen oder wäre es eher schlimmer?

Es ist wieder Abend geworden. Die Abend-Wörter sind aufgestanden und er hat wirklich keine Lust, jetzt in alten Wunden zu wühlen und sich an vergangene Schmerzen erinnern zu lassen. Er möchte jetzt mit ihr reden, er möchte, dass sie da ist oder er bei ihr. Er ruft sie an. Und sie kommt an diesem Abend zu ihm. Zusammen bestreiten sie den Abend. Die Wörter sind sich nicht gewohnt, dass sie nicht mehr angehört werden. An diesem Abend bleiben sie ungehört. Denn er und sie reden miteinander und sind füreinander da. Dann schlafen sie ein, nebeneinander, beieinander und die ganze Nacht atmen sie frei. Denn sie geben einander Wärme und Liebe. Bis der nächste Morgen wieder kommt. Und wo die guten Wörter mit ihnen aufstehen.

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