Ich zu Gott: „Ich bin dann mal weg“.

Wer meine Blogartikel regelmässig liest/gelesen hat, weiss ja, dass ich religiös aufgewachsen bin. Dass ich Gott sozusagen mit der Muttermilch eingesogen habe, ich nie am Existieren eines Gottes gezweifelt habe und er in meinem Denken und Bewusstsein IMMER da war. Egal, was ich machte, wo ich war, was ich dachte, etc.

Wer nicht so aufgewachsen ist, der kann sich das vielleicht nicht so gut vorstellen, wie das ist. Hm, man kann es vielleicht so erklären, dass man eben nicht alleine mit den anderen Menschen auf diesem Planeten ist. Sondern da ist immer noch eine andere Person da, eben Gott oder Jesus. Das kann gewiss eine Beruhigung sein, ein Trost sein und vieles mehr. Aber es führt eben auch zu einem Druck. Du wirst ständig beobachtet (also, du fühlst dich beobachtet) und anscheinend kannst du auch nichts verheimlichen (immer ein Polizist, der da ist:-)). Und dann ist Gott ja auch nicht unbedingt neutral. Er hat die Gebote gegeben, etc. Und er weiss ja alles. Er kennt dein Leben, hat einen Plan für dich, etc. Und das kann auch ziemlich nerven. Du bist einfach mal immer der Unterlegene und am Schluss hat ja eh Gott recht und deine Überlegungen werden nicht so honoriert und am Schluss soll eben nach Gottes Willen entschieden werden. Man denkt, warum lässt sich ein Mensch denn überhaupt auf das alles ein, wenn es soviel Druck verschafft. Und jetzt kommt meine Antwort dazu: Weil Gott eben in erster Linie (zumindest in dem Milieu, wo ich aufgewachsen bin) als Gott der Liebe dargestellt wird, der immer bei dir ist (gerade für Menschen in Krisen oder einsame Menschen sehr willkommen; natürlich nicht nur für diese Gruppen; aus verschiedenen Gründen auch für viele andere) und er kümmert sich um dich (wer will nicht, dass sich jemand liebevolles um einen kümmert) und er hat ja einen guten Plan für dein Leben. Mit diesen Beschreibungen von Gott ködert man locker sehr viele Menschen, egal, wie akademisch, unakademisch, gross, klein, etc. sie sind.

Ich rede jetzt von mir. Bei mir führte dies dazu, dass ich mich weniger mit den Menschen beschäftigte als mit Gott. Gott soll ja das Wichtigste im Leben sein. Ich lernte zuwenig, den Menschen kennenzulernen und unseren Planeten zuerst einmal als Verbund von Menschen zu sehen, die füreinander da sind (und das eben nicht Gottes Aufgabe und eigentlich auch nicht sein Revier ist). Jedenfalls bei mir führte das dazu, dass ich gar nicht richtig lernte, die Menschen zu lieben, sie so zu nehmen, wie sie sind, ihnen ihre Freiheit zuzugestehen, ihnen ihr Denken zu lassen, mich auf sie einzulassen, mit ihnen tiefe Freundschaften aufzubauen, sie zu unterstützen, mich mit ihnen zu freuen und mit ihnen traurig zu sein. Stichworte sind hier: Freiheit, Annahme, Freuen.

Ich merke zurzeit, wie ich mir langsam (auch innerlich) eine Welt ohne Gott vorstelle/vorstellen kann. Nur schon dieses Gedankenexperiment löst bei mir etwas aus. Nämlich ein Gefühl der Freiheit, wie wenn eine Last abfällt, das Gefühl, einfach mal selbst die Welt mit all den anderen Menschen gestalten zu können, frei zu sein von jemandem, der ständig über die Schulter schaut und am Morgen selbst entscheiden zu können, wie ich den Tag gestalten möchte. Selber entscheiden, wie ich leben möchte und was mir wichtig ist (für viele mögen diese Dinge und Gedanken selbstverständlich sein, für mich nicht unbedingt).

Vielleicht konntet ihr ein bisschen verstehen, was ich sagen wollte (vielleicht auch nicht:-)). Jedenfalls ich komme zu vielen neuen Einsichten und Freiheiten, wenn ich Gott mal weglasse.

 

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