Gott, das Paradies und die Geschichte von der Affenfalle.

Hallo zusammen

In diesem Beitrag geht es um einige Gedanken von mir zum Thema Gott und Paradies/Himmel. Wieder mal. Aber einige neue Dinge, die mir bewusst wurden/werden.

Ich schaue grad viel Videos von ehemaligen Zeugen Jehovas, also von Aussteigern aus dieser Sekte. Ich habe ja auch einen recht religiösen Hintergrund, jetzt nicht in einer Sekte, aber ich kann mich natürlich mit vielen Dingen, die diese Aussteiger erzählen, ziemlich gut identifizieren und ihre Gedanken gut nachvollziehen. So helfen mir diese Videos sehr dabei, mich ebenfalls von alten Gedanken(gängen) zu lösen und mich in die Welt hineinzubegeben. Und vorallem: Mich endlich mal zu spüren und mich selbst wahrzunehmen.

Ein sehr guter Kanal auf Youtube ist z.B. derjenige von Birgit und Stefan Kluge aus Deutschland, die vor einigen Jahren bei den Zeugen Jehovas ausgestiegen sind. Neben ihren beiden Lebensgeschichten, zeigt Birgit sehr anschaulich die Abläufe bei den Zeugen auf, gespickt mit persönlichen Erlebnissen.

Nehmen wir doch gleich Gott. Birgit Kluge beschreibt ihre frühere Beziehung zu Gott als sehr schön und sie hat ihn als liebevollen Gott, etc. wahrgenommen (u.a. auch, weil sie nach ihren eigenen Angaben sehr kreativ war, und in der Bibel auf die liebevollen Aussagen über Gott fokussiert hat). Nach dem Ausstieg wollte sie diese Beziehung zu Gott behalten. Sie dachte auch, das funktioniere. Aber es funktionierte nicht. Sie gebrauchte nun ihren Verstand und untersuchte die Bibel gesamtheitlich. Und da kam sie nicht über die Gottesgewalt im alten Testament hinweg und musste sich eingestehen, dass Gott gemäss der Bibel bei weitem nicht einfach so liebevoll ist, wie er von den Zeugen dargestellt ist. Deshalb verabschiedete sie sich von diesem Gott.

Was sie machte, ist eigentlich das Normale und logische. Nämlich ihren Verstand einsetzen und anhand von diesem die Dinge prüfen. Ich kenne es selber, dass einem gesagt wird, du musst aufpassen, was du liest und mit welchen Dingen du dich umgibst. Und einige Dinge musst du einfach glauben. Die sind nicht überprüfbar. Es kann dann auch gut vorkommen, dass ein Glaubenssatz einfach so mal existiert. Z.B. eben, Gott ist liebevoll. Das steht dann fest und alles andere wird daran angepasst. Z.B. wird dann eben gesagt, dass das Alte Testament zwar blutrünstig sei, aber mit dem Neuen Testament eben alles anders wurde, weil eben der Gottessohn auf die Erde kam. Es erklärt aber nicht, warum denn nun der Gott des Alten und der Gott des Neuen Testaments der gleiche sein soll, wo er doch so anders beschrieben wird. Viele Dinge werden dann einfach so interpretiert oder ausgelegt, dass sie ins „richtige“ Schema reinpassen. Weiter kenne ich persönlich, dass man ein sehr grosses Misstrauen gegenüber den eigenen Gefühlen, den eigenen Gedanken und den eigenen Wünschen und Empfindungen hat. Diese können dich eben sehr schnell verführen.

Wie weit das alles in mir drin ist, merke ich sehr stark. Es braucht echt Zeit, Dinge zu erkennen und zu sehen, dass man Glaubenssätze in sich hat, die man angenommen hat, ohne dass sie einem belegt wurden. Man nahm sie an, weil sie einem eingetrichtert wurden.

Ich selber war auch sehr stark auf Gott ausgerichtet. Ich wollte eine so besondere Beziehung zu ihm wie nur möglich. Die besonderste Beziehung auf diesem Planeten. Und ich fühlte mich als besonders, weil ich dachte, Gott sieht mich besonders. Das Problem dabei ist eben nur, dass es immer Gott dazu braucht, damit du besonders bist oder dich als besonders betrachtest. Das kann ein ziemlicher Fallstrick sein und ich weiss nicht, was das auch bei Kindern für schädliche Vorstellungen und Gedankengänge auslöst. Ich glaube, man muss schlichtweg Gott (einmal) weglassen, um sich auf SICH selbst fokussieren zu können. Und dann sieht man sovieles, was man sonst nicht sehen würde.

Und ja, eigentlich hätte es mir ja total gut gehen müssen. Denn Gott war ja da. Gings mir aber nicht. Und das kann auch eine Fall sein, dass man denkt, Gott wird schon alles richten, ein kurzes Gebetchen und es kommt gut. Und dabei vergisst oder gar nie lernt, selbst zu handeln und selbst Dinge zu tun. Einfach alles wird auf Gott bezogen, was passiert, was nicht passiert, wies einem geht, was man denkt, etc. Und eben: Dabei verliert man die anderen gängigen Konzepte, die diese Dinge erklären und dafür verantwortlich sind.

Ein weiterer Punkt ist das Paradies (bei den Zeugen Jehovas), resp. der Himmel (bei den Christen). Birgit Kluge erzählt dazu eine schöne Geschichte. Sie heisst Die Affenfalle. (PS: Ich konnte nirgends die Autorin/den Autoren dieser Geschichte ausfindig machen. Deshalb fehlt hier diese Angabe).

Seit Generationen bedient man sich bei den Affenfängern eines einfachen, offensichtlich narrensicheren Tricks, um ihre Beute zu erwischen. Die Affenfänger nehmen eine ausgehöhlte Kokusnuss, bohren ein Loch in die Mitte und versehen es mit einem scharfen Rand. Dann legen sie eine sperrige Süßigkeit in die Nuss, befestigen die Kokosnuss auf der Erde und warten darauf, dass ein Affe vorbeikommt.

Über kurz oder lang taucht ein Opfer auf. Der Affe greift in die Kokosnuss und packt die Süßigkeit. Doch sobald er versucht, seine Hand mit der Süßigkeit herauszuziehen, muss er feststellen, dass das Loch nicht groß genug für die geschlossene Hand ist und der scharfe Rand zu tief einschneidet. Der Affe ist gefangen.

Natürlich müßte der Affe nur die Süßigkeit loslassen, um sich zu befreien. Aber er weigert sich, das aufzugeben, wonach ihn gelüstet. Statt davonzulaufen, sitzt er stundenlang da, kocht vor Wut und hämmert auf die Nuss ein. Er versucht alles, nur eines nicht: loslassen.

Bis schließlich die Jäger kommen und ihn häuten.

Birgit vergleicht diese Süssigkeit mit dem Paradies oder der Idee vom Paradies, das/die sie loslassen musste und losgelassen hat. Meine Sichtweise ist hier, dass die Idee vom Paradies oder vom Himmel losgelassen werden muss, damit man/ich mein Leben finde und nicht gefangen auf dieser Erde verharre.

Ich kann hier noch hinzufügen, dass Gott teilweise noch ziemlich präsent ist in meinem Leben in dem Sinne, dass ich ihn manchmal fast wie eine Person sehe, die mich einfach auf Schritt und Tritt verfolgt. Gott sieht dich ja überall. Und der Reflex, „dass muss jetzt von Gott gewesen sein“ ist noch da. Aber mich nervt das mit der Zeit immer mehr. Denn man möchte ja auch mal seine Privatshäre haben:-). Ich weiss nicht, ob ich jetzt Gott wirklich im Schlafzimmer dabeihaben möchte. Aber da er ja sehr liebevoll ist, können wir doch auch zu dritt kuscheln. Je nachdem ein FFM oder MMF (je nachdem ob Gott jetzt weiblich oder männlich ist). Ihr mögt mir diesen kurzen satirischen oder ironischen Einschub verzeihen.

Abschliessend zu diesen Gedanken und der Geschichte von der Affenfalle denke ich, dass man manchmal wirklich etwas loslassen muss, um Neues zu sehen/entdecken. Und für mich bedeutet das, die Religion loszulassen, damit ich als Mensch leben kann und mich als Mensch entdecken kann.

Bis dann.

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