Marsch fürs Läbe. Was wollen uns die Lebensschützer eigentlich wirklich sagen?

Dort, wo ich wohne, findet aktuell erneut ein Marsch fürs Läbe (Marsch fürs Leben) von Menschen statt, die gegen Abtreibung demonstrieren wollen mit der Botschaft, sich für das ungeborene Leben einzusetzen.

Welche Botschaft steckt aber wirklich hinter dem Marsch fürs Läbe?

Vordergründig offensichtlich ist die Botschaft, dass das ungeborene Kind im Mutterleib geschützt werden soll. Die Lebensschützer stellen sich sozusagen als Anwalt des Fötus dar (ohne das Mandat auch vom ungeborenen Kind überhaupt bekommen zu haben, bye the way). Da das Kind im Mutterleib sich nicht selbst zu Wort melden kann und sich selbst wehren kann, soll es durch Menschen geschützt werden, die sich für dieses Kind einsetzen können.

Doch verbirgt sich dahinter nicht eine weitere Botschaft? Die eigentliche Botschaft, die durch diese Märsche rübergebracht werden will? Viele der Lebensschützer kommen aus evangelikalen, strenggläubigen christlichen Kreisen. Sie setzen sich klar für die Ehe von Mann und Frau ein, glauben der Bibel teilweise wortwörtlich und sind stark auf Gott ausgerichtet. Mir scheint, dass es beim Marsch fürs Läbä definitiv nicht nur um den Schutz des Fötus geht, sondern vielmehr auch zu einem erheblichen Teil um die Verteidigung der moralischen Werte in einer immer stärker sich säkularisierenden Welt. Um ein Durchsetzen des göttlichen „Rechts“ auf dieser Erde, um die Einhaltung der göttlichen Moralvorschriften. Hart und sicher etwas überspitzt ausgedrückt: Die ungeborenen Babys sind dafür ein perfektes Instrument, diese Werte medienwirksam verteidigen zu können.

Weiter scheint der Marsch fürs Läbe auch ganz klar gegen das Selbstbestimmungsrecht zu agieren. Nicht nur gegen das der Frau, was offensichtlich ist, sondern vielmehr um das allgemeine Selbstbestimmungsrecht des Menschen und die Freiheit des Menschen allgemein, selbst zu entscheiden. Ganz klar wird der Wille von Gott (wie der denn auch immer sei), die Gebote von Gott und die christlichen Moralvorstellungen über die Selbstbestimmung des Menschen gesetzt. Verständlich, dass es durchaus Menschen gibt, die Sympathie für den „Schutz“ des ungeborenen Kindes haben, aber ziemlich vergrault werden durch die moralischen Kodexes der Lebensschützer. Und den Versuch, diese der Gesellschaft ungefragt und ohne Diskussion aufzwingen zu wollen.

Vielleicht schrecken die Lebensschützer auch einige ab, weil eine Diskussion mit ihnen teilweise so schwierig ist. Denn ihre moralischen Standards scheinen sakrosankt, Gottes „Gebote“ scheinen sakrosankt und ihre Ansichten sowieso. Eine offene Diskussion hilft sehr häufig, aufeinander zugehen zu können. Aber wenn christliche Werte, die direkt von Gott stammen sollen einer Gesellschaft eben ohne Diskussion aufgezwungen werden wollen, dann ist das nicht förderlich und sorgt wohl in der übrigen Gesellschaft definitiv für rote Köpfe und Unverständnis als es für einen Austausch sorgen und ein über den eigenen Tellerrand hinausschauen bewirken könnte.

So gesehen steckt hinter der vordergründigen Botschaft der Abtreibungsgegner noch viel mehr und um diese geht es eben zu einem grossen Teil wirklich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s