Entgegen der Gesellschaft leben. Wie macht man das?

Manchmal, wenn ich mich für meine Verhältnisse zu lange in der Stadt aufhalte, spüre ich sehr stark, wie es mich mitzieht, in die Stimmungsatmosphäre, die gerade herrscht. An einem Arbeitstag zum Beispiel sehe ich all die Leute, die scheinbar genau wissen, was sie wollen und wie sie das, was sie wollen, erreichen können und es auch verteidigen würden, wenn es ihnen jemand vorenthalten würde. Mit anderen Worten: Ich nehme ein starkes Selbstbewusstsein wahr (ob das nun tatsächlich vorhanden ist oder nicht, weiss ich nicht). Vielleicht ist es unabdingbar für die Arbeit, den „Job“, dass man sich durchzusetzen vermag und sich hinstellt und seine Forderungen anbringen und durchsetzt. Aber mir macht das zu einem gewissen Grad auch Angst. Weil für mich dieses Selbstbewusste manchmal schon zuviel ist und das unter Umständen schon ausreicht, um mich einzuschüchtern. Denn: Ich habe dieses Selbstbewusstsein nicht. Ich habe nicht die „Fähigkeit“, mich durchzusetzen, wenn mir etwas wichtig ist oder wenn ich etwas für mich erreichen möchte. Ich habe nicht das Selbstverständnis, dass dies einfach normal und unabdingbar ist in unserer Gesellschaft. Mir fehlt wohl beides: Der Wille dazu wie auch die Persönlichkeit dafür. In so Momenten fühle ich mich ziemlich anders als der Rest der Gesellschaft. Und nicht anders im Sinne von „Ach, macht ihr doch euer Ding, ich mache eben mein Ding, kein Problem“. Nein, eher im Sinne von „Ich bin eingeschüchtert duch euer Selbstbewusstsein und ich möchte eigentlich nicht anders sein als ihr. Ich möchte dazugehören“.

Für mich ist es manchmal recht schwer, damit umzugehen, dass ein gewisses Durchsetzungsvermögen in der Gesellschaft offenbar gefragt ist oder sogar eine Voraussetzung ist, damit man „erfolgreich“ sein Leben bestreiten kann. Oft fühle ich mich alleine mit meinem „Nichtdurchsetzungsvermögen“ und meinem „Nichtselbstbewusstsein“ und weiss nicht so recht, wie ich damit umgehen soll. Respektive wie ich diese „Andersartigkeit“ handhaben soll. Sollte ich mich versuchen anzupassen, auch so durchsetzungsfähig werden? Sollte ich ganz bei mir bleiben und einfach so sein, wie ich bin (wie ich mich eben verhalte, etc.)? Sollte ich ein Mittelding anstreben, bisschen mich bleiben, bisschen der Gesellschaft anpassen? Und wie mit dem Druck umgehen, der von der Gesellschaft ausgeht auf mich als kleines Persönchen? Nehme ich die Gesellschaft zu einseitig wahr? Wie ist die Gesellschaft wirklich? Besteht sie aus meinen Projektionen oder nehme ich sie objektiv richtig wahr? Und was eben, wenn man entgegen der Hauptströmung der Gesellschaft leben will (oder muss, nicht anders kann, etc.)? Wie macht man das?

Ja, wie macht man das, wenn man entgegen der Gesellschaft leben möchte? Das ist glaub die grosse Frage, die sich mir und für mich stellt.

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