Niemand hat Gott gepachtet.

Ich komme in diesem Artikel zu einem Punkt, der mich stört an der Kirche und insbesondere auch an freikirchlichen Kreisen. Da ich aus diesem „Milieu“ komme und darin aufgewachsen bin, kenne ich die „Szene“ recht gut.

Mich stört, dass diese Kreise manchmal wirklich das Gefühl haben, Gott für sich gepachtet zu haben. Die Welt wird unterteilt in Gläubige (die bereits „drinnen“ sind) und Nichtgläubige, die eben noch draussen sind, sprich gerettet werden müssen (um es mal in der religiösen Sprache zu sagen). Dabei ist Gott einfach viel mehr als die Bibel. Gott ist viel mehr als ein Dogma. Und niemand kann Gott für sich pachten. Ich frage mich manchmal wirklich, wie das Konzept vom „Retten“ von Ungläubigen oder Nichtgläubigen entstanden ist. Man leitet das gewiss aus der Bibel ab. Nur denke ich gäbe es Gott auch ohne die Bibel (immer vorausgesetzt, man glaubt überhaupt an einen Gott. Ansonsten wäre die Diskussion hier schon elegant beendet). Ich nehme jetzt mal an, Gott gibt es, in welcher Form auch immer. Dann war Gott vor der Bibel, sprich die Bibel kann nicht ausschlaggebend sein, wie man Gott definiert. Und weiter: Es gibt einen Zugang zu Gott OHNE die Bibel. Und dieser Zugang denke ich, ist der, der eigentlich zählt. Ich stelle jetzt mal eine These auf (ein bisschen überspitzt). Nehmen wir an, jemand kennt Gott nicht, vorallem nicht die ganzen Dogmas, etc. Es geht ihm gut. Bis jemand zu ihm kommt und ihm sagt, dass er gerettet werden müsse, sonst sei er verloren. Man sagt ihm, dass es den Teufel gibt und der Teufel ständig versucht, den Menschen vom rechten Weg abzubringen. Jetzt bekommt dieser Mensch Angst, die er vorhin so nicht hatte. Und diese Angst kann ihm natürlich Gott nehmen. Und Gott, der befindet sich wo? Ja, in der Kirche und in der Freikirche. Bewegt man sich wieder ausserhalb der Kirche/Freikirche ist man wieder stärker den „Anfechtungen“ ausgesetzt. So wird einen gelehrt. Je nach Typ Mensch kann das schon das Denken recht prägen.

Aber wenn ich Gott suchen will, dann eben auf meine Art. Und dieser eigene Zugang führt meiner Ansicht nach zu einer grösseren Tiefe. Ohne all die Schemas, die ich natürlich aus dem Effeff kenne. Mein Plädoyer ist, den Menschen nicht als Gläubigen oder Ungläubigen zu betrachten, sondern so, dass man von jedem Menschen etwas lernen kann. Und auch tiefe Dinge lernen kann. Auch in spiritueller Hinsicht. Und diese Dinge sieht man wohl eher nicht so, wenn man diesen Menschen einfach als „Missionsobjekt“ sieht. Denn wer kann schon sagen, was die Wahrheit denn genau ist.

Ich habe mal ein Buch gelesen, wo die Autorin die Auffassung vertritt, der Satz aus der Bibel „am Anfang war das Wort“ müsse gelesen werden „am Anfang war die Liebe“. Das finde ich eine sehr schöne Annahme. Denn wenn alles mit Liebe begann, die Liebe das Fundament von allem ist, dann hat kein Dogma dagegen eine Chance. Die Liebe kennt keine Dogmas. Sie ist der Anwalt der Freiheit und sie sieht den Menschen als Unikat, nicht als gläubig oder ungläubig. Und vielleicht sollte man die Begriffe gläubig/ungläubig ganz allgemein abschaffen, also insbesondere auch im Denken. Hat das schon mal jemand ausprobiert? Wo könnte das hinführen, wenn man das ernsthaft umsetzen würde?

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