Kochen für Anfänger: Man nehme eine klitzekleine Prise Vergleichen und heraus kommt ein schöner Verunsicherungs-Identätitskrise-Auflauf. Gerne servieren mit einer bittersüssen (äh, bitterbösen) depressiven Verstimmung. Oder auch gleich mit Salzsäure garnieren.

Die Verunsicherung ist da, um dich zu verunsichern. Logisch. Sie kann klein sein oder ganz gross. Sie kann dich angenehm behelligen oder dich völlig lähmen.

Falls sie dich richtiggehend lähmt, kannst du in eine depressionsartige Stimmungslage kommen und dich in Frage stellen. Und nicht nur ein bisschen. Sondern gleich hart auf hart. Und natürlich sind dann alle anderen Menschen (oder gerade die Person, mit der du dich vergleichst) viel schöner, intelligenter, sozialer, besser, aktiver, glücklicher und so weiter. Das Dumme daran ist nur, dass du weder die Person, mit der du dich vergleichst, hundertprozentig kennst und das noch Dümmere ist wohl, dass du dich kaum richtig kennst, wenn du dich so von einer anderen Person verunsichern lässt. Oder dich falsch kennst. Auch dumm.

Bei mir gibts (dummerweise) immer wieder so Personen, mit denen ich mich vergleiche. Und dummerweise sind es leider tiefgehende Dinge, die ich vergleiche, wo es mich dann ziemlich schmerzt, wenn ich das Gefühl habe, ich habe das nicht, was die andere Person hat (und denke, dann bin ich einfach anstatt ein Rolls-Royce ein klappriges Secondhand-Vehikel, oder anstatt eine besondere schöne Blume bin ich ein langweiliges, biederes Löwenzahn). Und dann werde ich verunsichert. Nicht in dem, was ich essen soll oder anziehen soll (das vielleicht manchmal auch), sondern ich werde in meiner Person zutiefst verunsichert. Und da ich, genau, dummerweise, immer noch auf der Suche nach mir selbst bin und noch nicht wirklich gefestigt in meiner Person, bin ich doch ziemlich anfällig für all die Rolls-Royces und schönen, besonderen Blumen, die da draussen an mir vorbeiziehen oder nebenan am gedeihen und wachsen sind. Und wohlgemerkt, es sind nicht so protzige Rolls-Royces, die nur so vor Geldgehabe strotzen. Denn dann würde ich sie kaum eines Blickes würdigen. Nein, es sind sanfte, besonders sensible, ganz besonders liebevolle und soziale, menschenzugewandte und doch ganz eigene Rolls-Royces mit einer ganz einnehmenden Ausstrahlung. Und es sind gute Rolls-Royces. Also alles, was ICH eigentlich haben oder sein möchte. Nur (dummerweise) sehe ich das bei mir nicht so und sehe mich als langweiliges, biederes Löwenzahn, dass weder inspierierend noch was besonderes ist und schon gar nicht daran ist, die Welt zu entdecken.

So gesehen kann eben die Verunsicherung ziemlich stark eine kleine oder mittlere Identitätskrise auslösen. Immer mal wieder und dazu kann es sehr schnell und sehr plötzlich kommen. Meistens geschieht das durch Vergleichen, obwohl vergleichen aus meiner Sicht auch wichtig ist. Aber wenn der Vergleich subjektiviert ist, kann er eben schnell zu tiefer Verunsicherung führen.

Vielleicht magst du nun sagen, aber es reicht doch, wenn du ganz „normal“ bist, eben ein gutes Löwenzahn, oder ein sympathisches Secondhand-Vehikel, du bist einfach dich und das genügt. Tja, und was ist, wenn mir das nicht genügt, und ich was besonderes sein möchte und in mir drin nach dem suche. Dann genügt es mir eben nicht, Löwenzahn zu sein oder irgendwas Secondhand-haftes. Dieser Ratschlag ist für mich zu kurz gedacht und mir würde es glaub eher helfen, wenn man sich (anstatt Ratschläge zu geben) mit mir auf die Suche nach dem Besonderen (in mir) machen würde und mich eher in diese Richtung unterstützen würde (zumindest schon mal mit der Haltung und weiterführenden Worten). Denn man darf doch besonders sein, oder etwa nicht?

2 Kommentare zu „Kochen für Anfänger: Man nehme eine klitzekleine Prise Vergleichen und heraus kommt ein schöner Verunsicherungs-Identätitskrise-Auflauf. Gerne servieren mit einer bittersüssen (äh, bitterbösen) depressiven Verstimmung. Oder auch gleich mit Salzsäure garnieren.

  1. Ich verstehe dich sehr gut.
    Vergleiche können viel anrichten. Ohne sie würde man vermutlich überhaupt nicht unsicher sein. Aber ich denke, dass man es gar nicht verhindern kann, weil es vielleicht sogar menschlich ist.

    Versuchst du manchmal deine Gefühlle zu erforschen und dich zu fragen, warum dieser Vergleich dieses Gefühl in dir auslöst? Mir hilft es sehr!

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