John Lennon said no to Jesus. But surely yes to his feelings.

Manche sagen, Gefühle sind schlecht. Schlecht deshalb, weil sie uns bestimmen können. Natürlich ist gemeint, zum Negativen bestimmen. Was soll man dazu sagen? Der Mensch besteht nun Mal zu einem (grossen) Teil aus Gefühlen, die er wahrnimmt und die ihn beeinflussen. Vielleicht ist es sinnvoll, zu lernen, mit diesen Gefühlen umzugehen. Aber sie per se als negativ ansehen? Nein, dem würde ich nicht zustimmen.

Klein-Dominic: „Mir gehts nicht gut. Ich fühle mich so niedergeschlagen, kann mich gar nicht richtig freuen! Es geht einfach nicht weg.“

Antwort: „Dominic, du darfst nicht so stark auf deine Gefühle hören. Du musst lernen, dich nicht davon beeinflussen zu lassen. Lass sie sein. Lass sie einfach mal weg. Dir gehts ja eigentlich gut.“

„Aber mir gehts schlecht. Und das kann ich nicht einfach abschalten.“

„Doch.“

„Was soll ich denn tun?“

Vielleicht machen wir hier noch grad einen Einschub anderer Art. Ich bin auf ein Lied von John Lennon gestossen, das den Titel „God“ hat. Einige oder viele werfen ihm Blasphemie (Gotteslästerung) vor, ja, sie werfen ihm vor, sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt gestellt zu haben, sie denken, sie können über ihn urteilen. Natürlich kann niemand über jemand anderen urteilen (können ja schon, aber es macht nicht viel Sinn), denn wer kennt denn den anderen schon richtig, um ihn zu beurteilen.

Für mich braucht es Menschen, die nachdenken und ihre Gedanken in der Kunst, in der Musik, im Schreiben, im Gespräch, wo auch immer, nach Aussen tragen. So lange diese Gedanken nicht völlig destruktiv im Sinne, dass man sie überhaupt nicht weiter verarbeiten kann, sind, sind sie aus meiner Sicht zulässig. Und das Lied von John Lennon ist für mich definitiv sinnvoll, weil man mit seinem Text viel anfangen kann:

 

God is a concept
By which we measure
Our pain
I’ll say it again
God is a concept
By which we measure
Our pain

I don’t believe in magic
I don’t believe in I-Ching
I don’t believe in Bible
I don’t believe in tarot
I don’t believe in Hitler
I don’t believe in Jesus
I don’t believe in Kennedy
I don’t believe in Buddha
I don’t believe in mantra
I don’t believe in Gita
I don’t believe in yoga
I don’t believe in kings
I don’t believe in Elvis
I don’t believe in Zimmerman (gemeint ist Bob Dylan, der ja richtigerweise Zimmerman mit Nachnamen heisst)
I don’t believe in Beatles
I just believe in me
Yoko and me
And that’s reality

The dream is over
What can I say?
The dream is over
Yesterday
I was the dream weaver
But now I’m reborn
I was the Walrus
But now I’m John
And so dear friends
You just have to carry on
The dream is over

So, kommen wir (oder ich) wieder zurück zu den Gefühlen. Obwohl John Lennon ja definitiv auch zu den Gefühlen passt. Zu den Gefühlen ein paar Gedanken.

Gefühle – sagt mir, was wollt ihr mir denn sagen?

Soll ich mit euch in eure Welt kommen, mich ganz auf euch einlassen? Bei euch sein, mit euch sein? Warum wollen mich meine Familie, die „Gesellschaft“ davon abhalten? Gehört ihr denn zu mir oder wem gehört ihr?

Was mache ich denn, wenn ich keine Gefühle habe? Respektive diese nicht wahrnehmen kann? Ist das nicht unglaublich frustrierend?

Dann sagt mir doch, liebe Gefühle, wie kann ich euch richtig wahrnehmen? Gebt mir doch irgendeine Anleitung oder stupst mich sanft an. Denn ihr seid doch wichtig, liebe Gefühle, dass man euch wahrnehmen kann, oder?

Von wo kommt ihr und wo geht ihr hin, wenn ihr nicht mehr bei mir seid?

Wer schickt euch oder seid ihr ganz autark, auf niemanden angewiesen.

Ach, ihr seid mal traurig, mal zornig, mal voller Poesie, mal grausam, mal liebevoll, mal fordernd, mal fürsorglich, mal freudig, mal lebensbejahend, mal dem Leben abgewandt. Und ihr kommt und geht. Ist das eure Natur? Zu der ihr bestimmt seid (oder egal, ist einfach eure Natur, weil ihr Gefühle seid)?

So denn, ich will euch nicht länger aufhalten jetzt, damit ihr wieder gehen und kommen könnt. Und ja, ich brauche euch. Um zu verarbeiten, um Dinge tief wahrnehmen zu können, um zu trauern, um geniessen zu können, um zu lieben und um meine Wut empfinden zu können. Und noch vieles mehr.

Um eben: Als Mensch leben zu können.

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