Flüchtlinge: Nein danke! Aber dann bringe mir bitteschön auch nur ein Argument für diese Haltung.

Ich frage mich in letzter Zeit, warum teilweise eine so starke Ablehnung von Immigranten und „Flüchtlingen“ da ist. Allgemein in vielen Ländern. Lange habe ich die Argumente gegen die Aufnahme von Flüchtlingen auch durchgedacht und irgendwie habe ich gedacht, diese Argumente muss man zumindest ernst nehmen und man muss auch diese Seite verstehen und ihr Stichhaltigkeit zusprechen oder sie auf Stichhaltigkeit prüfen. Je mehr ich aber darüber nachdenke und Artikel darüber lese und selber Erfahrungen sammle, frage ich mich: Was gibt es denn jetzt wirklich für stichhaltige Argumente „gegen“ das Aufnehmen von Flüchtlingen. Und ich komme zum Schluss. Ja, eigentlich keine. Die Argumente dagegen werden so gewichtig vorgetragen, von ganz wichtigen Leuten, anscheinend gescheiten Köpfen, die sich mit Zahlen auskennen und ganz wichtige Positionen innehaben (Achtung: eine kleine Ironie oder Sarkasmus ist hier versteckt). Und man glaubt diesen wichtigen Leuten. Man denkt, wenn sie etwas sagen, dann muss es stimmen (oder zumindest eine Spur von Wahrheit enthalten).

Warum kommt es eigentlich nur den wenigsten Menschen in den Sinn, Flüchtlingen z.B. in den Flüchtlingszentren zu besuchen, sie irgendwie willkommen zu heissen. Vielleicht wird man ja dann auch zu einem Kaffee eingeladen und kommt ins Gespräch. Und mein Gott, dass heisst ja nun wirklich nicht, dass man dann gleich zu einem von den berüchtigten Gutmenschen wird. Denn gegen Gutmenschentum im expliziten Sinn reagiere ich auch recht allergisch. Aber es ist einfach schlicht ein menschlicher Akt, nicht mehr und nicht weniger. Das heisst nicht, dass man sein Leben dafür aufgeben muss, es heisst nicht, dass man jetzt nur noch an die Situation der Flüchtlingsfamilie oder des Flüchtlings denken „muss“. Nein, ich finde es ist die Haltung, die es ausmacht. Wie man diese Menschen wahrnimmt und als was man sie wahrnimmt.

Ich war lange recht geprägt von wirtschaftlichen Kriterien, Zahlen, dem Denken „aber das System muss doch funktionieren“, „der Staat ist so wichtig“, „das Wirtschaftssystem muss unbedingt aufrechterhalten werden“, „der Mensch ist zwar wichtig, aber zuerst kommt die Arbeit, die Pflicht, die Unternehmung, eben die Wirtschaft und der Staat“, „wichtig ist, dass ich meine to do-Liste unbedingt abgearbeitet habe, dann kann ich mich dann vielleicht noch um mich oder sogar jemand anderen kümmern“. Das war (ist) ein bisschen meine Denkweise (gewesen).

Aber in letzter Zeit merke ich, wenn man so denkt, verpasst man, verpasse ich, die echten Begegnungen, die Beziehungen mit Menschen und darum sind wir doch auf der Erde. Als Menschen, die miteinander leben und Beziehungen miteinander haben und füreinander da sind. Und es geht doch eigentlich zuerst einmal um den MENSCHEN auf dieser Welt. Nicht um die to do-Liste, nicht um die Wirtschaft, nicht um die Arbeit, nicht um den Staat, nicht um das „System“. Ich finde, der Mensch sollte wieder vermehrt in den Mittelpunkt gestellt werden. Und die urmenschlichen Dinge wie Kommunikation untereinander, alle egal von ihrer Herkunft, etc. zuerst einmal als Menschen wie du und ich sehen und vorallem: Ein Gemeinschaftsgefühl unter uns Menschen entwickeln. Das würde glaub schon sehr viel helfen im Umgang miteinander. Wenn man ein Gemeinschaftsgefühl hat.

Dann würde man sich nicht fragen, warum die Flüchtlinge denn jetzt da sind, sondern man würde sich fragen, was sie brauchen und man würde sich sogar interessieren, andere Menschen kennenzulernen, vielleicht eine andere Kultur und man würde die gemeinsame Zeit, die man mit anderen Menschen verbringen darf, geniessen und als Bereicherung empfinden.

5 Kommentare zu „Flüchtlinge: Nein danke! Aber dann bringe mir bitteschön auch nur ein Argument für diese Haltung.

  1. Schön, dass du reflektierst. Wenn man einen Schritt zurück geht und die Situation von aussen betrachtet, fallen einen viele Dinge auf.
    Die „Abneigung“ gegen Flüchtlinge, war schon immer da. Selbst unsere eigenen Leute aus Schlesien und Preußen wollte hier kaum einer haben. Daher liegt es nicht primär daran, wo die „Flüchtlinge“ herkommen.
    Menschen haben Angst. Angst vor Veränderungen, Existenzangst, allgemein Angst vor dem Unbekannten.
    Ich denke, die meisten Menschen, die Angst vor „Flüchtlingen“ haben, sind ökonomisch schwach. Man hört in den Medien immer, was die „Flüchtlinge“ alles an Gelder bekommen. Da werden dann natürlich Stimmen laut, die fragen: “ Wieso bekommen wir keine Hilfe? Wir gehen für einen „Hungerlohn“ täglich arbeiten, Überstunden oft nicht vergütet und doch werden sie gemacht. Dennoch reicht das Geld nicht die Familie ordentlich zu füttern.“ Andere Stimmen fragen: „Ich bekomme keine Arbeit. Wieso?“ Da ist die Angst, dass die „Fremden“ bevorzugt für solche Arbeit eingesetzt werden. Und da gibt es noch unzählige Konstellationen. Alles irgendwo verständlich.
    Dann sprechen die „Flüchlinge“ meistens nicht unsere Sprache. Das macht Angst. Es hört sich fremd an, reden sie über mich, planen sie etwas? Auch verständlich. Doch eben so ist es verständlich, dass viele „unter sich“ bleiben und deswegen unsere Sprache nicht lernen. Denn auch sie haben Angst.
    Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, keine Frage. Doch ich denke, wenn jemand wirklich in Not ist, ist es Pflicht zu helfen und das muss jetzt nicht nur auf „Flüchtlinge“ bezogen werden.
    Ich könnte noch ewig eine Pro- und Contraliste aufführen, aber das würde den Rahmen sprengen.
    Persönlich teile ich die Menschen lieber in Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher ein. Das macht die Sache einfacher. 😉
    Lg Schokodil

    1. Haha, ja, die Menschen in Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher einzuteilen vereinfacht die Sache doch sehr:-). In meinem Umfeld kenne ich zum Glück keine Arschlöcher, so habe ich ein Problem weniger:-).

      Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Pro- und Contraliste. Da kann ich dir natürlich zustimmen. Zu sagen ist vielleicht noch, dass Angst meistens ein schlechter Ratgeber ist und Entscheidungen, die aus Angst getroffen werden, wahrscheinlich nicht die besten sind.

      Lieber Gruss!

      1. Hm, man begegnet ja immer wieder anderen Menschen. Es muss ja nicht das direkte Umfeld sein. Arzt, Schulungen, Einkauf, etc. Da trifft man ja immer mal Leute und muss mit ihnen kommunizieren.
        Mit deinem ergänzenden Kommentar zur Angst hast du natürlich recht. Allerdings ist es für die meisten Menschen sicher nicht einfach auch mal über den Tellerrand zu schauen.
        Lg vom Schokodil

  2. Was für ein tolles Thema, das du da aufgreifst! Mir fiel auf, dass diejenigen Menschen, die sich am meisten darüber beschweren, enteder sehr frustriert in ihrem Leben sind (z.B. durch die schlechte Arbeit), und/oder aber rassistisch (!!!) sind. Außerdem spricht viel Egoismus dafür, da durchaus etwas abgegeben wird, was einem selbst nicht passen mag. Und Veränderungen sind ja ohnehin immer schwer zu verkraften.

    Integration MUSS von beiden Seiten kommen. Es ist wichtig, dass Flüchtlinge sich integrieren müssen, aber es ist genauso unsere Aufgabe, ihnen entgegenzukommen und sie nicht anzufeinden. Was sie durchgemacht haben, können wir uns gar nicht vorstellen. Und dass sie nun voller Hoffnung in einem 1.Welt Land sind und permanent das Gefühl bekommen, dass sie unerwünscht sind, erzeugt einen Teufelskreis.

    1. Ich kann mich deinem Kommentar anschliessen. Vielen Dank!

      Ich denke, wie bei anderen Dingen, die einem fremd sind und man am Anfang Hemmungen und Ungewissheit davor hat, braucht es auch bei Begegnungen mit „fremden“ Menschen zuerst ein gewisser Austausch oder ein gemeinsames Gespräch oder ein gemeinsames Kaffetrinken, bis man das „Fremde“ einordnen, annehmen kann und es einem nicht mehr „fremd“ ist. Ich glaube das ist menschlich, aber dafür muss man wahrscheinlich eine gewisse Offenheit für eine Begegnung haben.

      Liebe Grüsse!

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