Der Kampf um seine Freiräume. Die Gesellschaft kann ganz unverschämt sein.

Wenn er so über sein Leben nachdenkt, und über die Vergangenheit, dann muss er sagen, vielleicht macht es doch mehr Sinn, als er gedacht hatte. Also die lange Zeit, wo er kämpfen musste (muss), um seinen Platz zu finden. Vielleicht ist er ein Spätzünder im Allgemeinen und vielleicht geht er halt bei Prozessen, die bei anderen viel schneller gehen, mehr in die Tiefe, hinterfragt mehr, zweifelt mehr, und braucht allgemein mehr Zeit, um alles zu verarbeiten und dann weiterzugehen. Vielleicht denkt er anders als die „Anderen“, vielleicht will er gar nicht, dass alles so schnell geht.

Und ja, jetzt ihm Rückblick kann er sagen, dass es ihm oft nicht gut ging. Dass er das sagen darf. Dass es dafür keinen objektiven Massstab braucht. Denn immerhin hat das ihn so stark beeinflusst und beeinträchtigt, dass er Mühe hatte (hat), ins Leben zu finden. Und vielleicht braucht nicht jede und jeder gleichviel, dass sie/er sagen kann, dass es ihr/ihm nicht gut geht. Er denkt, dass es jemandem sicher dann nicht gut geht, wenn dies sein Leben nachhaltig und wesentlich beeinträchtigt. Verdammt, dann ist es wohl egal, ob die Eltern sagen, dir geht es doch gut, tue doch nicht so, oder die Gesellschaft das nicht als Hinderungsgrund wahrnimmt, oder er selber denkt, dass es ihm doch eigentlich schon gut geht und er sich doch einfach zusammenreissen muss.

Er ist am Lernen, dass er sich Freiräume nehmen darf und muss, wenn es ihm zuviel wird oder wenn es ihm nicht so gut geht. Dass er nicht alles einfach aushalten und durchstehen muss, weil man das halt so macht und weil man ja nicht so tun solle, sondern die anderen müssen ja auch mal was aushalten und können auch nicht einfach so mal raus aus allem oder sich eine Zeit für sich nehmen. Was auch immer. Aber ich denke echt, dass (manchmal) das Wohl des Menschen und seine wichtigen und notwendigen Bedürfnisse wichtiger sind als das System, als die Erwartungen der Gesellschaft, als das Funktionieren des Betriebs, der Unternehmung, als das perfekte, routinemässige Ablaufen des Tages.

Es hat lange gedauert, bis er überhaupt daran gedacht hat, dass es legitim und in Ordnung ist, sich auch mal seine Freiräume zu nehmen. Über 30 Jahre lang. Krass, wie stark die Eltern, die Gesellschaft, die Mitmenschen und das „System“ die Vorstellungen eines Menschen, was er darf und was nicht, was legitim ist und was nicht, formen, bestimmen und beeinflussen können.

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