Todesangst und warum ich mich so schuldig fühle.

Todesangst. Die kannte ich sehr gut früher in meiner Kindheit vor dem Einschlafen. Und kürzlich auf einer Wanderung hatte ich wieder echt Todesangst. Doch dazu später. Jetzt zu der Frage nach meinem Schuldigfühlen.

Warum ich mich schuldig fühle? Die kurze Antwort darauf lautet: Ich weiss es nicht.

Ich weiss aber, DASS ich mich so oft in meinem Leben schuldig fühle. Wenn es jemandem schlecht geht, wenn jemand aufgebracht ist, wenn jemand schlecht drauf ist, wenn jemand ernst mit mir spricht. Dann denke ich, dass ich einen Fehler gemacht habe, dass es dieser Person so geht. Wenn z.B. meine Eltern mich freundlich ansprachen und mich lobten für etwas oder einfach positiv gegenüber mir eingestellt waren und es ihnen zusammen, oder meiner Mutter oder meinem Vater gutging, dann hatte ich das Gefühl, das was ich mache oder gemacht habe ist gut. Auch, wenn ich grad jemandem umgebracht hätte. Die Stimmung meiner Eltern ist gut, sie sind mir positiv eingestellt, also ist auch das, was ich mache gut. So die einfach Gleichung. Wenn es meinen Eltern nicht gutging, sie mich vielleicht für etwas kritisierten oder etwas nicht gutfanden, dann dachte ich gleich, alles, was ich mache oder gemacht habe, sei schlecht oder nicht gut. Und ich gab mir auch die Schuld, dass es ihnen nicht gut ging. Zumindest fühlte ich mich einfach schuldig, wenn es ihnen nicht gut ging.

So ist das heute auch oft in meinem Leben. Ich fühle mich schuldig und habe Angst. Angst, etwas falsch gemacht zu haben, irgendeine latente Angst. Und die Angst und das Schuldigfühlen ist natürlich mit mir als Person gekoppelt. Im Endeffekt stelle ich mich als Person infrage. Vorallem der Gedanke, dass ich ein schlechter Mensch bin, treibt mich oft um und macht mich alles andere als gelassen. Früher in meiner Kindheit hatte ich mal ein Buch über den Untergang der „Titanic“ in den Händen, weil mich das Thema interessierte. Und da las ich, dass es einige Passagiere gab, die sich ins Rettungsboot drängelten. Andere wiederum liessen anderen den Vortritt. Damals hatte ich eine Riesenangst, dass ich in einer ähnlichen Situation zu denjenigen gehören würde, die sich vordrängelten und demzufolge „schlechte“ Menschen seien. (Klar kann man jetzt sagen, vordrängeln ist in einer solchen Situation nicht ganz unnormal, und man ist deswegen noch lange kein „schlechter“ Mensch. Aber das hilft mir sehr wenig, weil ich natürlich anders handeln möchte). Diese Angst, dass ich in Notsituationen (oder auch sonst) sehr egoistisch handeln würde (und dann das wahre Selbst von mir zum Vorschein kommen würde) hat mich lange begleitet (jetzt ist diese Angst ein bisschen in den Hintergrund getreten. Ich würde aber nicht sagen, dass die Angst deswegen aufgelöst oder weg ist. Irgendwie ist sie immer noch da, verbunden mit der Angst, ein „schlechter“ Mensch zu sein).

Wie gesagt weiss ich auch nicht, wovor diese Angst, ein schlechter Mensch zu sein und etwas falsch gemacht zu haben kommt. Ich weiss aber, dass ich eigentlich gerade ein „guter“ Mensch sein möchte und mir mein Verhalten gegenüber anderen grundsätzlich nicht egal ist.

Und manchmal habe ich einfach nur Angst, und ich weiss gar nicht genau, wovor eigentlich. Vielleicht vor dem Leben. Letztens war ich mit einer guten Kollegin wandern und ich hatte an einigen Stellen echt Todesangst. Klar, die Stellen waren teilweise schon in dem Sinne gefährlich, dass man sich keinen Fehltritt erlauben konnte. Aber eine Riesenangst kann bei mir auch schon aufkommen, wenn ich nur einen mächtigen Berg betrachte. Dass diese Angst nicht unbedingt normal ist, habe ich auch daran gemerkt, dass meine Kollegin diese Stellen sogar noch genossen (!) hat und dort noch Fotos gemacht hat. Und ich war völlig durch mit den Nerven. Ich habe auch gemerkt, dass sie das Leben teilweise auch von einer anderen Seite her sieht. Sie hatte sicher auch körperliche Ermüdungen und Müdigkeit während der Wanderung, aber das hielt sie nicht davon ab, alles zu geniessen. Während dem ich eher auf Überlebensmodus eingestellt war. Also alles andere als frei und fröhlich in der Natur.

Diese Ängste beschäftigen mich schon ziemlich und ich glaube, ich könnte das Leben echt geniessen, wären die nicht da. Denn es gibt wohl eine Angst (so sagen es zumindest die Psycholog*innen), die als Schutzfunktion und Gefahrenhinweis dient. Aber die Ängste, die ich hier beschrieben haben, sind für mich eigentlich vorallem negativ und hinderlich für mich und meine Entwicklung.

2 Kommentare zu „Todesangst und warum ich mich so schuldig fühle.

  1. Lieber Dominik,
    Mach dir keine Sorgen wegen der Todesangst, die du beim Wandern hattest. Das scheint mir nachvollziehbar zu sein. Es ist eher so, dass deine gute Kollegin nicht ganz normal zu sein scheint… 😉
    Ich kenne sie übrigens gut. Wer ich wohl bin?

    1. Danke!

      Ja, ich glaube, ich weiss, von wem der Kommentar ist:-).

      Ja, die Frage ist ja immer WAS genau „normal“ ist…

      Lieber Gruss.

Kommentar verfassen