Thoughts on life ist am Wasser. Wiedermal.

Auch wenn er sich das vielleicht nicht eingestehen will, er ist doch ein religiöser Mensch. Aber wie geht das nun hier. Er würde dafür ausgelacht. Belächelt. So viele Dinge wären dann anders. Und er möchte verdammt nochmal beides, in der Welt leben und bei Gott sein. Das ist das grosse Dilemma. Schon immer wohl für ihn. Zu dumm, dass das sich nicht einfach auflösen lässt. Ach, wie soll das bloss gehen.

Er starrt hinaus. Aufs Wasser. Und irgendwie hofft er, da eine Inspiration zu erhalten. Das Wasser ist einfach da. Und es ist weder böse noch irgendwie gutmenschlich, weder falsch noch richtig, weder grottenhässlich noch wunderschön, noch denkt es irgendetwas, noch denkt es an Morgen, noch an die Zukunft, noch hat es Hass, auch nicht Liebe, noch verurteilt es, noch liebkost es. Es ist einfach da. Und das genügt ihm. Dem Wasser. Dem Meer. Alle Stürme, alle Menschen, die das Wasser, das Meer verschlungen hat, werden dem Meer zugeschrieben. Oder Gott. Oder irgendjemandem, der da sein Unwesen treibt. Höheren Mächten, was oder wem auch immer. Aber das Meer ist unschuldig. Es folgt nur seinen Gesetzen. Logisch oder auch nicht. Aber das Meer ist unschuldig. Niemand darf das Meer anklagen.

So sitzt er da am Ufer und denkt. Ja, ER denkt. Er denkt an Morgen. An die Zukunft. ER fragt sich, ob er gut oder böse sei. Er verurteilt. Er hat Angst. Er kennt Hass. Er kennt die Lebensstürme. Er kennt hässlich und er kennt Schönheit. Er kennt den Gutmenschen und den Bösewicht. Er teilt die Dinge, die Menschen und die Welt in gut und schlecht ein. Schuldig und unschuldig. Aber ER. Er ist bestimmt nicht unschuldig. Wie das Meer. Er ist schuldig. Ob er es will oder nicht. Wer lebt, macht sich automatisch schuldig. Das ist keine Wertung, einfach eine Feststellung.

Möchte er denn das Meer sein und keine Mensch mehr? Keine Ahnung. Er ist nun mal Mensch und nicht das Meer. Er möchte das Meer auch lieber betrachten als es selber zu sein. Möchte er mehr über das Meer wissen? Ja, sicher. Offen dafür sein. Für das Meer. Für die Natur. Will denn die Natur was sagen? Will sie ihm was sagen? Nein, denkt er. Bestimmt nicht. Denn die Natur will nichts rüberbringen. Nichts aufdoktrinieren und auch schon gar nicht indoktrinieren. Verdammt, die Natur ist einfach die Natur. Wie eben der Mensch der Mensch ist. Und die Natur ist einfach da. Schlicht und ergreifend. Sie hat weder etwas zu verstecken noch muss sie sich ins Rampenlicht stellen. Sie ist da. Auch wenn sie gepeinigt wird, ist sie einfach da. Sie kann wohl nicht anders. Auch wenn sie ausgebeutet wird, das Wasser, das Meer ändert sich nicht. Es wird nicht agressiv, es bekommt nicht Hass. Es folgt einfach seinen Naturgesetzen.

Aber zurück zu Gott und der Welt. Und seinem Problem, beides miteinander zu vereinen. Hat er sich denn schon mal überlegt, dass das irgendwie so was wie Zwangsgedanken sein könnten. Gedanken, die in ihm sind und ihn umtreiben. Die aber nicht zwangsläufig die Wahrheit sein müssen. Die in ihm sind, die ihn bestimmen. Aber die einfach verdammt nochmal nicht die alleinige Wahrheit sein müssen (sind). Vielleicht gibt es Menschen, die eher anfällig auf so Gedanken(konstrukte) sind, vielleicht sind es auch alle Menschen. Aber sie sind halt da und manchmal (oder sehr oft) hält man sie einfach für wahr und sie bestimmen so krass das Leben. Auch bei ihm. Aber wie da rauskommen?

Er schaut auf den Stein neben ihm, auf die Felsen. Der Stein ist auch einfach da. Die Felsen sind auch einfach da. Das ganze gut und schlecht. Integriert, zugehörig, nicht integriert, nicht zugehörig, laut, leise, engagiert oder nicht, das alles fällt dahin. Vielleicht sollte er sich das mal zu Herzen nehmen. Mal die menschlichen Konstrukte weglassen. Mal ein bisschen Natur sein. Mal bei der Natur sein. Denn ja, sie kann einen Freund/eine Freundin für den Menschen sein. Auch wenn die Natur wohl im Menschen keinen Freund sieht. Denn sie ist ja einfach nur da. Aber er könnte sich doch, zumindest mal einbilden, dass die Natur sein Freund/seine Freundin ist. Oder etwa nicht?

*thoughts on life: auf der Suche nach sich, nach der Welt, nach Gott, nach Lösungen, aber auch nach soviel mehr, das er (noch) nicht kennt*

2 Kommentare zu „Thoughts on life ist am Wasser. Wiedermal.

    1. Hm, weiss nicht genau. Vielleicht eine Zeitlang auch mal ohne gross Religion, auch wenn ich manchmal „religiöse Anfälle“ habe. Aber bevor ich mich wieder in was stürze, muss ich mich glaub erstmal vom vorherigen erholen:-).

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