Du sollst dir kein Bildnis machen!

Das Leben ist da. Auch für ihn. Oder hat er sich bereits ganz früh entschieden, das Leben zu verweigern? Wohlgemerkt, dieses Leben. Denn seine Sehnsucht ist so gross. So unendlich gross. Er ist auf der Suche. Irgendwie die ganze Zeit. Aber nach was genau?

Nach einem Leben, wo er sich zutiefst geborgen fühlt. Natürlich. Aber auch irgendwie nach einem anderen Lebensentwurf als er hier gängig ist. Klar, eine Beziehung, Kinder, Familie, Arbeit, die einen erfühlt, kann schon wünschenswert sein. Aber ehrlich, das kann es doch nicht gewesen sein. Einige stossen in ihrer Suche auf die Religion, auf Gott. Aber irgendwie ist ihm dieser Gott, diese Religion (oft von Menschen gemacht) zu profan, zu menschlich, zu sehr von Menschen für ihre Zwecke gebraucht und geformt. So sucht er irgendwie nach dem Ursprung. Und dabei sollte man, so findet er, alle gängigen „Lösungsvorschläge“ mal beiseite lassen und selber danach suchen. Wobei er auch nicht weiss, ob er denn überhaupt will, das seine Sehnsucht erfüllt wird. Denn was wäre dann, wenn die Erfüllung ihm nicht genügen würde. Dann hätte er nichts mehr. Die Sehnsucht wäre weg und keine neue Sehnsucht wäre da.

So weiss er nicht genau, ob diese Sehnsucht in ihm konstruiert wurde (duch seine religiöse Erziehung beispielsweise) oder ob sie wirklich echt da ist. Natürlich wünscht er sich, dass sie natürlicherweise da ist. Denn in erster Linie ist er sich selbst und die Familie ist schlichtweg sekundär. Es geht einfach mal um ihn und sein Leben. Seine Eltern sind da, aber erstens hat er sie nicht ausgewählt und zweitens dürfen sie nicht ihn und sein Leben bestimmen. Denn er lebt selbst. Seine Geschwister sind auch da und sie sind wichtig für ihn. Aber auch hier geht es primär um seinen Weg und seine Sehnsüchte und sein innerstes Suchen. Ein Ort, wo nur er Zugriff hat. Den nur er spürt, den nur er kann ergreifen. Einfach sein Selbst. Das so intim, so persönlich und so wichtig ist.

Also findet er, dass die (religiösen) Menschen grosses Unrecht getan haben, indem sie Gott beschrieben haben und ihn nach ihren Vorstellungen gestaltet haben. Und dies versuchen sie dann auch, anderen Menschen aufzudoktrinieren. Ihre Ansicht. Ihr Bild. Das kann einfach nicht sein, findet er. Verdammt! Sogar in der Bibel steht ja, man soll sich kein Bild(nis) von Gott machen. Aber das haben die frommen Menschen getan und tun es immer noch. Wer weiss es denn schon?

Vielleicht muss hier auch gesagt werden, dass ihm sein Glauben oder was es auch immer war, seine Sehnsucht, sein Ich-Sein, sein eigenes Selbst, manchmal wirklich abgesprochen wurde. Er wurde der Sünde bezichtigt, er wurde bezichtigt, auf dem falschen Weg zu sein, ja, sogar dem Satan Zugeständnisse zu machen. Das hat ihn zutiefst verunsichert, denn man muss hier sagen, eigentlich fühlte er sich Gott immer nahe. Wie auch immer dieser Gott ist und aussieht. Aber das ist seine Sache. SEINE eigene Sache. Und niemand darf ihn bezichtigen, auf dem falschen Weg zu sein. Schon gar nicht Menschen, die ja so menschlich sind. Schon gar nicht seine Familie. Schon gar nicht seine Eltern. Schon gar nicht eine verdammte aussenstehende Person.

So hofft er jetzt inständig, dass seine Sehnsucht nicht konstruiert und sozialisiert ist, sondern dass sie echt ist. Dann wäre er wirklich froh. Denn es wäre in ihm selbst. Und das wäre ein Grund zur Freude.

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