Er sah diese Katze. Und sie sah, dass diese Katze böse schaute.

Die Katze war noch das friedlichste, was sie an diesem Tag sah. Zumindest wenn es nach ihren Gedanken ging, war die Welt kein friedlicher Ort. Oder waren es die Menschen, die sie so beschäftigten. Und sie, sie wusste an diesem Tag auch nicht genau, wer sie war. Eine sie oder ein er. Und an diesem Tag wollte sie beides sein. Da sie keinen er kannte. So war sie eben gleichzeitig sie und er.

Er sah diese Katze an diesem Tag auch. Mit der schwarzen Nase. Und er wünschte sich, diese Katze wäre eine sie. An diesem Tag, an dem sich so vieles ändern sollte. Das waren zumindest seine Gedanken. Als er nachdachte, vereinigten sich seine Gedanken mit denen der sie. Er spürte, dass da jetzt irgendjemand in seinen Gedanken war, der oder die da vorher nicht da war. Vorher waren es eben nur seine Gedanken. Die andere Person hatte an diesem Tag ebenfalls eine Katze gesehen. Und sie (ja, es fühlte sich nach einer sie an) wünschte sich, die Katze wäre friedlicher. Denn die Katze schaute böse und sie bekam leichte Angst ob diesem bösen Blick.

Als sie sich auf der Rolltreppe an ihm vorbeidrängte, hatte sie das Gefühl, dass sie seine Gedanken lesen könne. Und zumindest hatte er ihr auch nicht gleich Platz gemacht. Das dachte sie jedenfalls. Als er ihr gerade genug Platz machte, dass sie sich durchzwängen konnte, dachte er an diese Katze, die er gesehen hatte. Und sie wünschte sich immer noch, die Katze wäre friedlicher gewesen.

Er folgte ihr so unauffällig wie möglich. Plötzlich drehte sie sich um und schrie ihn an, er solle doch nicht so tun, er wisse genau, wie böse die Katze gewesen sei. Er erstarrte für einen kurzen Moment. Dann heulte er. Dann heulte sie. Ihre Gedanken waren ja schon zusammen. Sie schien gleiches wahrgenommen zu haben. Kurzerhand nahmen sie sich bei den Händen. Die einzige Frage, die sich jetzt gleich stellte, war, zu dir oder zu mir. Sie setzten sich dann aber zuerst mal kurz hin. Ohne sich geküsst zu haben, gingen sie die Rolltreppe wieder hoch. Und da stand schon der Bus. Er führte zu ihr.

Am Morgen lagen sie nebeneinander. Über ihnen ihre Gedanken, die zusammen nachdachten. Über die Welt. Und über diese Katze. Ob sie jetzt eine sie war. Und warum sie denn so böse geschaut hatte.

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