Why did you destroy my heart?

Hallo zusammen

Hier folgt nun der zweite Blogpost zur it’s time to be honest-Serie, die ich vor etwa zwei Monaten gestartet habe. Den ersten Post dazu könnt ihr hier nachlesen.

Ich schreibe in diesem Post über meine Beziehung zu meinem Vater. Letzthin hatte ich ja eine Auseinandersetzung mit ihm, weil ich zu einem Thema meine Meinung dazu gesagt habe und das hat gleich für böses Blut gesorgt (Ihr könnt den Blogpost dazu hier nachlesen). Ich überlege mir deshalb, den Kontakt mal abzubrechen, oder zumindest ihn oder meine Eltern nicht mehr zu besuchen, solange er so despektierlich über Ausländer, Sekondos oder deren Herkunftsländer spricht, er meine Meinung nicht gelten lässt und einfach so fucking dominant ist. Und dann wirklich jedesmal fast heult, wenn es jemandem in den Sinn kommt, seine Meinung zu kritisieren oder sich dagegen ausspricht. An diesem Abend, wo die Auseinandersetzung stattfand, wurde ich darin bestärkt, dass meine Intuition richtig wahr, dass ich in der Kinheit von ihm und meiner Mutter manipuliert wurde.

Die Beziehung zu meinem Vater war nie einfach von meiner Seite her. Ich hatte Mühe, ihn zu akzeptieren. Gründe dafür könnten sein: Auswuchs aus dem Asperger-Syndrom, Schwierigkeiten von Enneagramm Typ 4-Menschen, ihre Eltern richtig anzunehmen, mein ausgeprägter Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit und möglicherweise ein eigener Identitätsmangel. Alle diese Gründe suchen die Ursache bei mir. Eher seltener habe ich die Ursache bei meinem Vater selbst gesucht. Aber nach der kürzlichen Auseinandersetzung mit ihm wurde mir bewusst, dass er selber vielleicht Mühe hatte und hat, mich ganz so anzunehmen, wie ich bin und mir genügend Freiraum zu lassen, um mich selbst zu entwickeln, egal wo das auch hinführen mag.

Ich habe eigentlich nie gedacht, dass mein Vater (oder allgemein meine Eltern) etwas falsch machen würden. Ich habe gedacht, ich bin halt rebellisch. Ich habe falsche Gedanken. Ich könnte mich ja zusammenreissen, wenn ich nur wollte. Ich lernte von meinem Vater keine Sanftheit in dem Sinne, wie ich sie mir gewünscht hätte. Jedenfalls hat sich da nichts gross auf mich übertragen. Ich lernte auch nicht, die Menschen jeglicher Art anzunehmen und alle erst einmal einfach als Menschen anzusehen. Es gab extrem dieses gute Menschen-schlechte Menschen-Schema. Also gut waren diejenigen, die von Gott her gesehen das Richtige taten und schlecht waren die, die von Gott her das Falsche taten. Ich lernte ein grosses Misstrauen gegenüber ungläubigen Menschen und lernte ein schlechtes Menschenbild über sie. Ich lernte von meinem Vater auch nicht, dass es halt noch mehr als nur Jesus und das „ich will nur eines: ganz bei Jesus sein. Das ist meine einzige Sehnsucht. Auch für dich wünsche ich mir das“- Mantra gibt. Dabei übersah er offensichtlich meine Person und deren Wünsche, Sehnsüchte und meine Persönlichkeit. Wie ich denke, was ich fühle, wie ich die Dinge wahrnehme. Bös gesagt brauchte man ja nur Jesus und dann ist gut. Ich bekam viele Strafen, weil ich auch sehr stur sein konnte (so dachte ich jedenfalls). Früher dachte ich auch, das ist halt normal so. Heute denke ich, nein, man kann anders mit einem Kind umgehen. Man kann auch auf das Kind eingehen und das Menschsein über die fucking Religion oder was Gott jetzt sagt oder was jetzt richtig ist, stellen. Denn was kann denn wichtiger sein, al auf die Person als solche einzugehen. Ich glaube eigentlich nichts. Und das habe ich nicht so erlebt bei meinem Vater. Beispiel Selbstbefriedigung (dieses Beispiel ist auch in diesem Blogpost enthalten): Ich weiss noch, da sassen wir im Auto und meine Mutter war im Auto und mein Vater. Und dann gestand ich, dass ich mich wieder selbst befriedigt hatte. Es gab eine ziemliche Rüge von meinem Vater. Es fühlte sich fast so an, als sei jetzt gerade eine halbe Welt untergegangen. So schlimm wurde mein Vergehen eingeschätzt. Aber vielleicht noch schlimmer war, dass ich meinem Vater nicht gehorsam gewesen war und mich trotz seinem Verbot, mich zu befriedigen, befriedigt hatte. Ich musste sogar mal ein Papier unterzeichnen, wo ich versprach, meinem Vater fortan zu gehorchen und mich ihm unterzuordnen. In dieser Hinsicht förderte mich mein Vater nicht. Kein Wunder, dass ich momentan versuche, vieles von dem nachzuholen, was ich damals in meiner Kindheit nicht durfte.

Aus meiner Sicht kann ein Mensch irgendwann entscheiden, etwas zu ändern, wenn er merkt, dass er irgendwo etwas besser machen könnte. In dieser Hinsicht sehe ich aber bei meinem Vater keine Veränderung. Daher muss ich mich wirklich noch mal viel klarer von ihm distanzieren, damit ich einfach meinen Weg gehen kann und meine Erfüllung finden kann.

Vielleicht noch interessant ist, dass ich mich als Person in meinem inneren Bild zeitweise wie mein Vater wahrnehme. Ein Bild, das mir ganz und gar nicht gefällt. Denn ich möchte ja MICH wahrnehmen können. Ich denke, dass ich daran arbeiten kann und das Bild mit der Zeit anders wird und immer mehr verschwindet, wenn ich immer mehr zu mir finde und mich wahrnehmen kann, wie ich bin. Und dies auch leben kann und lebe.

Dieser Blogpost war wieder recht persönlich. Aber die Beziehung zu meinem Vater und wie ich aufgewachsen hat, beschäftigt mich halt immer noch ziemlich und deshalb gab’s jetzt dazu diesen Post.

Euch eine gute Zeit und liebe Grüsse von
thoughts on life

5 Kommentare zu „Why did you destroy my heart?

  1. Hi,
    ich denke auch, dass dir etwas mehr Distanz zu deinem Vater/deinen Eltern helfen wird, mehr zu dir selbst zu finden. Ich habe den Eindruck, dass du da in der Hinsicht vielleicht so etwas wie eine „pubertäre Abkapselung“ noch nachholen musst, bevor die Meinung deiner Eltern zu gewissen Dingen für dich schlicht und ergreifend keine besondere Rolle mehr spielt – auch nicht im negativen Sinne – und du wirklich herausfindest, was du selber für dich möchtest und was dir gut tut. Aber soweit ich das hier aus deinen Texten lesen kann, bist du da auf einem guten Weg 🙂

    Btw. es gibt ein Lied, bei dem ich neulich an dich denken musste:
    https://www.youtube-nocookie.com/embed/SMrpVQippQg

    Es ist von June & Lula, einem französischen Duo, die über ihre Abwendung von Gott singen. Vielleicht kannst du damit ja was anfangen?!

    LG

    1. Hey! Vielen Dank für deinen Kommentar. Haha, du hast wahrscheinlich schon Recht, dass es ein spätes Pubertätsähnliches Ding sein könnte, was ich zur Zeit erlebe. Hat mir auch schon Mal sonst jemand gesagt. Schmeichelt mir zwar nicht gerade, aber ja…

      Danke für das Lied. Werde es mir dann gleich mal anhören.

      Dir alles Gute.

      Lieber Gruss!

      1. Naja, die körperliche Pubertät kann bis 27 gehen (ich bin tatsächlich auch mit 24 nochmal gewachsen zum Beispiel…). Die psychologische deutlich länger. Insofern würde ich mir da nicht zu viel dabei denken. Die meisten reflektieren darüber nur nicht so gut 😉

    2. Wow, hab das Lied grad angehört. Kannte die Band oder das Duo noch nicht. Aber der Song gefällt mir auch von der Musik. Und der Text entspricht wirklich dem, was ich momentan so denke. Poste das Lied grad in meiner Facebook-Chronik.

      LG

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