Kino, Kino, Kino und eine Namensverbrennung.

Hallo zusammen

Das erste Vierteljahr war recht stressig für mich. Also vorallem psychisch. Ich habe mich vom Glauben getrennt (da bin ich immer noch dran), bin aus der christlichen Kleingruppe raus, aus der Gemeinde raus, ziehe Ende Jahr in eine andere Stadt, habe anstrengende Blogartikel geschrieben (im Sinne von sehr persönlich und emotional sehr aufwühlend), habe darüber eigentlich gute Gespräche mit meinen zwei Schwestern geführt und habe eine Ungewissheit, was meine berufliche und private Zukunft betrifft.

Da ich dazu tendiere, irgendwie die Dinge zu machen, die mich psychisch am meisten herausfordern, habe ich die letzten Wochen ein bisschen genug von meinem Anspruch, alles immer tiefgehend, authentisch, mit Gefühlen, mit Inspiration und mit vielen Erkenntnissen daraus zu machen. Dafür war ich jetzt sehr oft im Kino. Und ich muss sagen, es gibt soviele gute (also echt gute Filme). Natürlich ging ich meine momentane Lieblingsschauspielerin Jennifer Lawrence im Film „Red Sparrow“, einem Agentenfilm, schauen. Ich schaute mir „Die beste aller Welten“ an. Ein Film, der die wahre Geschichte einer drogenabhängigen Mutter (die später clean wird) erzählt und von einer rührenden Mutter-Sohn Beziehung handelt. Den letzten Film, den ich gesehen habe, war „Lady Bird“, die Geschichte einer Teenagerin auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Ja, ich habe immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal nichts selber „produziere“ und mir „nur“ Filme anschaue oder nur Dinge lese, ohne selber aktiv zu werden. Ich verbuche es dann unter „neue Dinge kennenlernen“ und „neue Inspiration“ gewinnen. Das ist tatsächlich ein bisschen ein Problem von mir, dass ich in allem, was ich mache, gleich was besonderes suche, einen Gewinn im Sinne von Inspiration oder neuen Gedanken oder neuen Wegen, die sich mir erschliessen oder ein neues Gefühl zu erleben. Vielleicht passt wirklich ein bisschen der Spruch „Ich denke, also bin ich“ zu mir. Oder „Ich nehme wahr, also bin ich“.

Ich werde heute noch was machen, das mich Überwindung kostet, aber das denke ich, wichtig ist, es jetzt zu machen. Ich habe ja schon in zwei Beiträgen über meine Kollegin Severina geschrieben (Im ersten Beitrag über meine Beziehung zu ihr und im zweiten darüber, dass ich das Gefühl habe, sie weist mich zurück, wenn wir uns mal irgendwo sehen/gesehen haben) und dass ich sie mag und mich zu ihr hingezogen fühle, sie aber, nach meinem Wissen, gar nichts von mir will, sie mir das aber nie so klar gesagt hat, aber es wohl klar ist, dass es so ist. Es macht ja eigentlich nicht soviel Sinn, immer an jemanden zu denken und sich Hoffnungen auf eine Beziehung oder etwas ähnliches zu machen, wenn es für die Gegenseite schon völlig klar ist, dass das nicht im Grundsatz in Frage kommt. Deshalb werde ich eine kleine Aktion machen (Nein, ich werde ihr keine Blumen oder Rosen ans Bett bringen. Da muss ich euch enttäuschen). Ich werde ihren Namen auf ein Blatt schreiben und es dann (so hart es tönt) verbrennen. Hier sei vielleicht noch erwähnt, dass ich nicht sie als Person verbrenne, sondern es ein symbolischer Akt für mich ist, dass ich nicht mehr an sie in diesem Beziehungsding denke. Und: Ich habe sie trotzdem noch gern.

Ja, ich habe mir in letzter Zeit auch ein bisschen Gedanken dazu gemacht, wie ich mir eine Beziehung vorstellen würde, was ich mir darunter vorstelle, ob ich sowas überhaupt möchte oder nicht. Ich sehe zwei Wege momentan offen stehen, wobei noch keiner von beiden definitiv ist. Der eine wäre das klassische: Eine enge Beziehung, wo man verbindlich in die Zukunft plant und ein klassisches Paarleben lebt. Das andere (was ich momentan eher sehe für mich) ist das etwas unverbindlichere: Also, dass man zwar zusammen ist, aber jetzt nicht völlig ineinander aufgeht und nicht das eigene Lebensglück im anderen sucht, der Partner/die Partnerin nicht „alles“ im Leben für einen ist. Wo man vielleicht auch offen ist, die Partnerschaft zu öffnen für weitere Personen und wo man sich nicht verspricht, bis in alle Ewigkeit zusammen zu sein. Der Gedanke daran, jetzt mit jemandem so stark „zusammengebunden“ zu sein, dass man sich wie eine Person fühlt, macht mir mehr Angst als Freude.

So, dass waren einige Dinge, die mich grad so beschäftigen.

Ich wünsche euch noch einen guten Frühling und alles Gute.
Liebe Grüsse von
thoughts on life

 

3 Kommentare zu „Kino, Kino, Kino und eine Namensverbrennung.

  1. Ich finde es total mutig, wie du offenbar in den letzten Monaten dein gesamtes Welt- und Selbstbild kritisch betrachtest und „Anpassungen“ vornimmst. Dazu gehört viel Kraft.

    Und ja, ich finde, man darf auch mal „nur konsumieren“. Denn auch das „bildet“. Selbst, wenn man sich einen Film wie „Red Sparrow“ NUR ansieht, bewirkt der ja etwas in einem. Man wird bei Filmen und Romanen mit der Phantasie-Welt oder der Sicht auf die reale Welt eines anderen Menschen konfrontiert und ist gefragt, sich da irgendwie darauf einzulassen. Ich denke nicht, dass sowas spurlos an einem vorüber geht.

    Das mit dem symbolischen Verbrennen von Begriffen/Namen habe ich auch das eine oder andere Mal gemacht. Es kann helfen, fixe Ideen loszulassen. Insofern finde ich die Idee nicht schlecht. Nachdem du aber das Bedürfnis hast, klarzustellen, was genau du damit „verbrennen“ möchtest, könntest du dein Vorhaben ja vielleicht auch insofern noch abändern, dass du das auch auf dem entsprechenden Zettel das noch etwas klarer formulierst oder markierst oder auch dir ein paar „Worte des Abschieds“ dazu überlegst?
    Ich lese aus deinen Worten ein bisschen ein „schlechtes Gefühl“ dahingehend, einfach so ihren Namen zu verbrennen, aber das kann natürlich auch hineininterpretiert sein…

    Was Partnerschafts-Konzepte angeht, dürftest du von meinem Blog ja schon wissen, dass ich mir da auch schon viele Gedanken dazu gemacht habe.
    Grundsätzlich denke ich, dass es regelrecht nach Problemen schreit, wenn man unreflektiert einfach ein vorgegebenes Konzept übernimmt. Wenn man irgendwie herausfindet, dass einem genau dieses vorgegebene Konzept genau alles gibt, was man sich wünscht, ist das eine schöne Sache. Aber allzu häufig sind Beziehungen nichts statisches und so kann es meiner Meinung/Erfahrung durchaus sinnvoll sein, Raum für Entwicklung in alle möglichen Richtungen offen zu lassen. Vielleicht startet man in ein klassisches, monogames Beziehungskonzept und findet später heraus, dass es beiden besser täte, die Beziehung zu öffnen?! Oder umgekehrt.

    Insofern halte ich es für sinnvoll, sich da kein zu enges Korsett anzuziehen und einfach mit offenen Augen zu sehen, welche Art Beziehung zu welchem Menschen sich richtig anfühlt und entwickelt…

    Man sollte nur, denke ich, nie in die Falle tappen, zu denken, irgendwas würde das Beziehungsleben „leichter“ machen. Mit jedem Problem, das durch ein Konzept gelöst wird, tauchen drei andere auf, die man zusätzlich dann lösen muss 😉

    Liebe Grüße und alles Gute dir!

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar und die guten Worte. Ja, klar habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen gehabt, wegen dem Namen verbrennen. Nicht unbedingt, das zu machen, aber darüber im Blog zu schreiben. Weil ich halt zu allem stehen muss, was ich hier schreibe, da alle meine Freunde Zugang zum Blog haben. Also auch die genannte Severina und ich die Leute auch manchmal noch sehe oder ich sie treffen könnte. Also bei mir ist halt nichts anonym, was ich schreibe.

      Das habe ich mir auch schon gedacht, dass man ja durch Filme nur schon durchs Anschauen beeinflusst wird und es was bewirkt. Hoffe ich zumindest.

      Interessant, was du zum Thema Beziehungen schreibst. Das ist doch eine gute Beobachtung, dass kein Konzept oder Schema funktioniert, sondern man es für sich persönlich herausfinden muss/kann/darf/soll/was auch immer (so habe ich dich jedenfalls verstanden).

      Liebe Grüsse zurück!

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