Ich ficke dich jetzt! Ich machs, denn ich bin Phallus!

Phallus tritt auf: „Ich ficke dich jetzt. Ja, ich vögle dich so richtig. Ich brauchs. Ich wills. Und ich hols mir. Ganz bestimmt.“
Kwinia: „Lass mich, Phallus! Lass mich los! Du hast nicht das Recht, einfach mit mir zu schlafen. Nicht so und nicht auf diese Weise.“
Phallus erbost: „Wie war nur schon wieder dein Name? Du Frau! Du wagst es, dich mir zu widersetzen? Mir? Dem Phallus? Symbol einer ganzen Generation? Seit Menschengedenken regiere ich. Ich war, ich bin und ich werde IMMER sein, das sage ich dir. Frau (er schnaubt)! So, leg dich hin! Ich nehm dich jetzt. Jetzt!“
Kwinia schreit: „Nein! Götter helft mir! Oh Gott, hilf mir!“
Phallus dringt in sie ein. Kwinia schreit. Dann schreit sie lauter. Dann wird es still. Die Götter greifen nicht ein. Gott greift nicht ein.
Dann liegt sie einfach da. Nackt und von der Grausamkeit und Egozentriertheit von Phallus erschlagen. Phallus Glied wird schlaff. Und damit verschwindet auch jedesmal seine Erhabenheit. Seine Macht. Aber das lässt er niemanden wissen. Das versteckt er. Diesen seinen Schwachpunkt, dass er ohne erigiertes Glied ganz schwach ist. Er entfernt sich aus dem Haus und lässt Kwinia mit ihrer Bedrücktheit und ihren Tränen zurück.

Eine Träne löst sich aus Kwinias Auge. Und anstatt nach unten über ihr Gesicht und über ihre Backe hinunterzurinnen, geschieht Erstaunliches und die Träne löst sich von ihrem Gesicht, fliegt durch den Raum, dann Richtung Hausdach, dann hoch in den Himmel hinauf. Hoch oben nimmt die Träne all ihre Kraft zusammen, denkt kurz nach und ruft dann laut und deutlich: „Phallus! Herrscher und Lügner einer ganzen Generation! Unglücksbringer und Schmerzensbringer! Deine Zeit wird ablaufen! Ja, sie ist bereits abgelaufen! Du warst, du bist, aber du wirst nicht für immer sein! Widerstand regt sich. Tief in der Erde. In den Gedanken der Menschen und in ihrem Bewusstsein. Das Glück und die Wahrheit werden siegen! Du Unglücklicher! Berühre dein Glied und lass es los. Lass es los und finde zurück ins Glück! Zurück zum Guten und zum Wahren! Das sage ich dir, Phallus. Herrscher und Lügner einer ganzen Generation! Unglücksbringer und Schmerzensbringer!“

Die Träne verharrt einen Augenblick an ihrem Standort am Himmel und fliegt dann hoch, hoch hinauf, bis sie verschwindet.

Die Idee für den Text basiert auf der Kritik von Nadja Tolokonnikowa (Mitglied der feministischen Punk-Band Pussy Riot) in ihrem Buch „Anleitung für eine Revolution“, wo sie die Phallus-Zentriertheit kritisiert. Phallus: Nach Wikipedia die Bezeichnung für den erigierten Penis des Menschen. Phallus-Zentriertheit: Damit ist gemeint, dass sich der Sexualakt am Penis des Mannes ausrichtet und der erigierte Penis damit sozusagen zu einer Art Synonym für Sex oder für Sexualität wird. Der Teil mit der Träne wurde teilweise inspiriert durch den Fantasyroman „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien.

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