Entsorgt. Im Abfalleimer der Stadt Bern. Danke liebe Stadt fürs Entsorgen.

Ich habe mich gestern dazu entschieden, mein Fotoalbum mit meinen Kindheitsfotos wegzuschmeissen. Gestern Abend wurde es in einem Abfalleimer der Stadt Bern entsorgt. Und ich danke hier der Stadt schon mal für das Aufkommen der Entsorgung. Der Grund für diesen „Schritt“ sind mehrere. Ich möchte, dass in meinem Leben etwas Neues beginnen kann. Und dafür, so ist meine Ansicht, ist es manchmal wichtig, etwas Altes loszulassen. Klar kann man sagen, ein Fotoalbum im Regal stört ja nun wirklich nicht am eigenen Fortkommen im Leben oder daran, ein neues Kapitel im Leben aufzuschlagen. Diese Ansicht stimmt sicher grundsätzlich schon. Ich denke aber, dass es auch wichtig sein kann, etwas durch einen Akt zu besiegeln oder loszulassen, indem man was tut. Vielleicht fast wie ein Ritual. Dann habe ich ein Zeichen für mich, an dem ich etwas festmachen kann und ich sage mir damit auch selbst, dass ich nicht nur darüber nachdenke, mich neu zu orientieren, sondern dass ich dafür bereit bin, etwas Materielles, nicht ganz Unbedeutendes, loszulassen.

Ein weiterer Grund ist für mich, dass ich einfach die Dinge auch anders machen möchte, als es normal vorgesehen ist. Z.B. macht man Familienfotos, Fotos der Kinder, macht eben ein Album für das betreffende Kind, damit man sich später mithilfe dieser Fotos erinnern kann. Ich stelle mir plastisch einfach so vor, dass ich dann in vielen Jahren in meinem bequemen Sessel sitze, das Fotoalbum hervornehme, meinen womöglichen Enkelinnen und Enkeln die alten Fotos zeige und in Erinnerungen an meine Kindheit schwelge, das Buch vielleicht sogar weitergebe, damit dann auch alle anderen diese Zeit betrachten können. Genau das möchte ich nicht. Auch nicht einfach so bequem im Sessel sitzen und an die alten Zeiten zurückdenken. Für mich ist dieses Szenario furchterregend, angsteinflössend. Genau diesem Ablauf möchte ich nicht folgen und mein Leben anders gestalten. Nicht diesen Konventionen folgen. Nicht dem Folgen, wie es alle anderen machen. Wie man es eben zu machen hat. Wie es normal sei.

Noch ein Grund ist, dass ich einfach nicht durch die Erinnerung definiert werden möchte. Es nimmt anderen auch die Möglichkeit, mit mir das Fotoalbum anzuschauen und es zu kommentieren. Denn ich möchte lieber über andere Dinge reden und sprechen als über nostalgische Erinnerungen und was ich und ich mit anderen damals erlebt habe und wie es doch war. Die Menschen müssen sich also mit mir als jetzige Person und als Person allgemein auseinandersetzen, weil es keine Fotos mehr gibt, die ihnen ermöglichen würden, bereits bekannte Geschichten auszutauschen und so sich gar nicht wirklich und tiefer mit mir auseinandersetzen müssen.

Also das Fotoalbum ist weg. Mein Weg geht weiter oder beginnt erst so richtig.

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