Judas.

Ich liebte dich. Mehr als du es dir vorstellen kannst. Ich war bei dir. Immer. Für immer meinte ich damit. Ich sehnte mich nach dir. Ich war durchdrungen von Liebe für dich. Du. Judas. Du, mit dem ich alles teilte. Meine tiefsten Geheimnisse. Meine Sorgen. Ich sagte dir, wenn ich niedergedrückt war. Ich hielt nichts vor dir zurück. Ich gab alles. Ich gab alles für dich. Mit dir wollte ich leben. Nicht ohne dich wollte ich leben. Ich wollte bei dir sein. Ich sehnte mich nach allem, was dich ausmacht. Du. Judas. Dich habe ich erwählt. Weil ich dich wollte. Weil ich mit dir zusammen sein wollte.

Ich, Judas, ich habe dich verraten. Ich wars. Ich war mit dir zusammen. Wir teilten alles miteinander. Ich brannte. Ich war ein Mensch. Ich liebte. Ich war ein Mensch. Ich weinte. Ich war ein Mensch. Ich hatte Schmerzen, ich hatte Kämpfe, ich hatte Sehnsucht, ich hatte Zweifel, ich hatte Wehen, wie eine Frau, die ihr Kind zur Welt bringt, ich hatte Wünsche, ich hatte Angst. Ich war ein Mensch. Dann verlor ich mich selbst. Ich nahm das Geld, küsste dich, verlor mein Herz, verlor meine Seele, verlor mich selbst. Ich lief zum Baum, ich nahm das Seil, ich schaute nicht zurück, ich schrie nicht mal. Ich gab auf. Zu früh. Viel zu früh. Das Seil um den Hals, gab ich auf. Zu früh. Viel zu früh. Erhängte mich. Zu früh. Viel zu früh. Dort, auf dem Blutacker. Es war zu früh. Es war viel zu früh. Ich gab auf. Zu früh. Viel zu früh.

Inspiriert durch die Geschichte von Judas in der Bibel und vom Song „Until The End Of The World“ von U2.

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