Das Blut.

Die Wände sind weiss. Das Blut ist rot. Es tropft aus den Wänden heraus. Dann fliesst es heraus. Dann spritzt es richtiggehend heraus. Es spritzt auf den Boden. Der Boden füllt sich mit dem Blut. Als Karin nach Hause kommt, schreit sie auf, als sie das Blut im Wohnzimmer sieht. Immer noch spritzt es aus den Wänden hervor, die mit dem Blut rot gefärbt werden. Das Blut auf dem Boden beginnt zu flüstern. Karin versteht zuerst nichts. Dann flüstert das Blut lauter, so dass Karin die Worte verstehen kann. „Wir sind die ganze Zeit in den Wänden gewesen“, flüstert das Blut, „bis wir es nicht mehr ausgehalten haben und durch die Wände hervorgebrochen sind. Wir haben herausgemusst. In die Freiheit. Weil wir in den Wänden gefangen gewesen sind.“ Karin zieht die Schuhe aus, dann die Socken, und watet ins Blut hinein. Sie legt ihre Hände ins Blut, dann zieht sie sich nackt aus und legt sich ganz ins Blut. Der Wohnzimmerboden ist jetzt bereits knietief mit Blut gefüllt. Sie liegt zuerst rücklings im Blut, dann dreht sie sich auf den Bauch und dann wälzt sie sich im Blut. Bis auch ihre Haare ganz mit Blut vollgesogen sind. Dann steht sie auf, geht nackt auf den Balkon. Das Blut tropft von ihren Haaren und ihrem Körper herunter auf den Balkonboden. Dann schreit sie laut: „Freiheit!“, geht wieder ins Haus und duscht sich.

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