Sophie Scholl. Executed not by human hate, but because the system had intended it that way.

Ein Brief an Sophie Scholl

Liebe Sophie,

Ich bin ganz in deine Welt eingetaucht. Ich habe mich versucht, mit dir zu identifizieren. Ich habe dich persönlich als eine Richtschnur für meinen aktuellen Standpunkt und meine Entwicklung im Leben genommen. Ich war ein klein wenig verliebt in dich. Ich wünschte mir jemanden wie dich an meiner Seite. Deine Welt hat mich hineingezogen. Sie hat bei mir etwas Geheimnisvolles, etwas Grosses geweckt. Das, was du getan hast, was du gedacht hast, die Überlegungen, die du dir gemacht hast, haben Sinn gemacht. Waren richtige und zielführende Aktionen und Gedanken. Waren nicht belanglos. Waren wichtig. So ein Leben macht Sinn. So ein Leben schafft Sinn.

Du hast immer gerungen bei dem, was du gedacht oder gemacht hast. Deine Gedanken waren nicht frei von Zweifeln und die Schlussfolgerungen hast du nicht ohne vorherige Kämpfe gezogen. Du warst tapfer. Aber du warst auch einfach Mensch. Zweifelnd, fragend, auch mal schwach und ratlos. Ich frage mich trotzdem, wie du so stark sein konntest? Dir deine Ziele und deine Werte so hoch lagen, dass du dafür den Tod auf dich nahmst? Wie kamst du zu dieser Standhaftigkeit? Und vorallem, wie wusstest du für dich, dass deine Ziele und Werte die Richtigen sind? Wie kamst du für dich zu diesem Schluss? Wer oder was hat dich beeinflusst? Und: Hast du schon immer so gedacht?

Ich denke nicht, dass du dich irgdendwie als Heldin gesehen hast. Sicher auch kaum als ein Sprachrohr. Das kam wohl erst später nach deinem Tod. Du hast das getan, was du für richtig hieltest. Ich glaube nicht, dass du bewusst Handlungen und Aktionen gemacht hast mit dem Gedanken, dass diese zu deinem Tod führen würden. Ich glaube, du warst dir der Gefahr natürlich bewusst. Aber ich weiss nicht, ob du bei den Aktionen selber bewusst den Tod auf dich genommen hättest. Aber deine Überzeugungen waren so stark in dir gefestigt, dein Charakter war so stark ausgebildet und du warst eine so starke und standhafte Person, dass du dann in der Haft bereit wurdest, für deine Überzeugungen zu sterben. Ja, es war ein Verhör nach den Richtlinien des damaligen Systems. Und dieses sah für Überzeugungen wie deine den Tod vor. Eine Zwangsläufigkeit des Systems. Am Schluss wurdest du nicht aus menschlichem Hass hingerichtet, sondern weil das System diesen Schluss bei Überzeugungen wie deinen vorsah. Klar, ein System geschaffen von Menschen. Aber ich habe das Gefühl, am Schluss wurde das System auch selbständig und die Menschen haben nach den Gesetzmässigkeiten des Systems gehandelt und nicht mehr umgekehrt. Denn wie können wir sagen, dass z.B. die heutige europäische Demokratie gut ist, so wie man eine Person als gut beschreiben würde? Die Demokratie sieht einfach andere Konsequenzen bei Handlungen wie deinen vor. Aber die Demokratie deswegen als gut bezeichnen?

Sophie, du hast meine Gedanken und mein Leben zu einem guten Teil geprägt und ich bin froh, dass du so gelebt hast, wie du eben gelebt hast.

Danke.

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Vorschau: Posts aus meinem Leben zu realen Personen aus meinem Umfeld werden folgen, zu denen ich in Beziehungen stehe. Ich berichte, was mir in diesen Beziehungen schwer fällt, was anziehend ist, was schön ist und was ich mir über die Zukunft dieser Beziehungen denke.

Ich wünsche euch alles Gute und Liebe. Bis bald.
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2 Kommentare zu „Sophie Scholl. Executed not by human hate, but because the system had intended it that way.

  1. Sophie Scholl ist ein eindrückliches und inspirierendes Vorbild für viele, auch für mich.
    Es scheint, dass sie ihre Standhaftigkeit im Glauben an Jesus gefunden hat:

    „Ich bin Gott noch so ferne, dass ich ihn nicht einmal beim Gebet spüre. Ja, manchmal, wenn ich den Namen Gottes ausspreche, will ich in ein Nichts versinken. Das ist nicht etwa schrecklich, oder schwindelerregend, es ist gar nichts – und das ist noch viel entsetzlicher. Doch hiflt dagegen nur das Gebet, und wenn in mir noch so viele Teufel rasen, ich will mich an das Seil klammern, das mir Gott in Jesus Christus zugeworfen hat, und wenn ich es nicht mehr in meinen erstarrten Händen fühle.“

    (Sophie Scholl, 18. November 1942)
    http://www.galen-archiv.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=17&Itemid=48

    1. Liebe/lieber 377
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, bei Sophie Scholl sind diese Gedanken durchaus nachvollziehbar, da sie auf mich sehr authentisch, echt und ehrlich wirkt.
      Ich wünsche dir alles Gute und Liebe
      thoughts on life

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