Darkness, go back to hell!

Liebe Leserin, lieber Leser

Wie ich im vorherigen Blogartikel versprochen habe, folgen in diesem Blogbeitrag meine Gedanken zum Thema Religion und speziell, wie diese geradezu prädestiniert ist, einen unfrei zu machen. Die Betrachtungen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und meiner Vergangenheit diesbezüglich.

Ich möchte zu Beginn noch anfügen, dass in diesem Artikel und in den folgenden persönliche Erfahrungen und Erlebnisse vorkommen, die teilweise sehr persönlich, teilweise intim und teilweise auch skurril sind. Wenn du möglicherweise Probleme hast, mit solchen Dingen umzugehen, dann bitte ich dich, diese Artikel nicht oder nur mit Vorsicht zu lesen.

Prolog:
Ich wälze mich in meinem Bett hin und her. Ich kann nicht schlafen. Heute habe ich wieder einmal versucht, ohne die Schlaftabletten einzuschlafen. Aber es funktioniert nicht mal ansatzweise. Verwirrende und böse Gedanken nehmen mein Denken gefangen. Sie legen sich auf mich und lassen nicht mehr ab von mir. Ja, es sind alles religiöse Gedanken, die mir Angst machen. „Du kannst wählen, Himmel oder Hölle, es ist deine Entscheidung!“ (ja, mir hat wirklich mal jemand gesagt: „Es ist freiwillig, in die Hölle zu gehen!“ und „Gott ist hinter dir her und er wird dich schon noch umkehren!“). Weitere Gedanken kommen: „Du bist verloren!“, „Du bist ein so schlechter Mensch!“, „Du wirst es nie schaffen!“, „Du darfst nicht so denken, wie du denkst! Das ist Gotteslästerung!“. Mit den Gedanken legt sich Hoffnungslosigkeit auf mich und das Gefühl, dass ich in einer ausweglosen Situation bin. Dazu kommt das Gefühl, dass ich selber an allem schuld bin. Dass es nur an mir liegt, dass ich mich nicht besser fühle. Die religiösen Zwangsgedanken gehen nicht weg und erst mit dem Tagesanbruch verflüchtigen sie sich und verkriechen sich an einen dunklen Ort.

Viele Jahre früher:
Meine Eltern sind gerade aus der Freikirche ausgetreten und haben mit zwei anderen Familien einen eigenen Hauskreis gegründet. Der Name: „Leuchter“. Einer zieht sich aus und kommt nackt in den Versammlungsraum. Er fordert seine Frau dazu auf, das Gleiche zu tun. Sie weigert sich. Draussen an der Tür hämmert die Tochter der beiden mit grosser Verzweiflung an die Tür. Die Tür aber bleibt abgeschlossen. Sie hat kein Öl mehr in ihrer Lampe. Und die Lampe ist jetzt ausgegangen. Und sie? Verloren. Verloren heisst, sie kommt in die Hölle. Jetzt ist ihre Verzweiflung so gross und sie schlägt das kleine Fenster in der Türe ein. Wir anderen sind Kinder, Jugendliche. Man hört Schreie. Pures Entsetzen. Denn wir glauben das Alles. Es ist so tief in uns drin, dass ein leiser Zweifel daran das Gefühl von purer Gotteslästerung in uns drin hervorruft. Einige Zeit später müssen wir uns von dem trennen, was uns von Gott abhält. Kinderkassetten, Comics, etc. Da, wo wir unser Herz dran gehängt haben. Das müssen wir mitbringen zum Versammlungsraum und es dorthin legen. Ich glaube, ich brachte nichts mit. Zumindest konnte ich mich von nichts ernsthaft trennen. Wieder Draussen gingen wir auf einen Spaziergang. Für mich einer der schlimmsten Momente in meinem Leben. Ich nahm die Umgebung nur surreal wahr. In meinem Inneren fühlte ich eine so brutale Hoffnungslosigkeit und Verlorenheit, die so wehtat, obwohl von Aussen nichts zu sehen war. Ich habe gedacht, jetzt ist alles vorbei. Du hast Gott persönlich hintergangen, weil du nicht bereit warst, ihm alles zu geben. Ich hatte weitere Erlebnisse, wo ich dieses Gefühl von Verlorenheit und tiefster Hoffnungslosigkeit hatte.

Ich, mit ca. 28 Jahren:
Abgesehen von den Nächten, wo ich diese religiösen Zwangsgedanken habe (denen ich aber mit Schlaftabletten Einhalt gebieten kann), habe ich nicht mehr so starke negative Erlebnisse. Doch im Denken bin ich immer noch krass gefangen im religiösen Denken. Ich bin definitiv auf der Suche, da herauszukommen. Aber es ist schwierig. Ich bringe es nicht auf die Reihe, wie das christliche Leben auf der einen Seite viel Gutes hat, aber auf der anderen Seite in diesen Kreisen eine so grosse Unfreiheit herrscht. Viele Dinge sind klar. Freies Denken ist mit der Angst verbunden, vom richtigen Weg abzukommen. Statements wie „Kein Sex vor der Ehe“ werden wie ein Mal eingebrannt. Subtilere Dinge werden eingebrannt, wie ein stillschweigender Verhaltenskodex (freundlich miteinander umgehen, loben, zur Heiligung streben), wie eine Sichtweise der Gerechten, wie eine Gemeinschaft, die losgelöst ist von der übrigen Welt. Der erwähnte stillschweigende Verhaltenskodex ist grundsätzlich nicht falsch. Jedoch werfe ich dem christlichen Milieu vor, nicht echt zu sein. Die Forderungen, sich zu heiligen und ein immer besserer Mensch zu werden, sind extrem tief verankert und führen dazu, dass man sich nicht mehr mit der übrigen Welt identifizieren kann. Denn es sind zwei völlig andere Ziele, ob man sich als einen Mensch mit Schwächen und Fehlern sieht und authentisch leben will, sich mit anderen Menschen identifizieren will und kann, oder ob man das Ziel hat, nicht mehr Mensch zu sein, sondern ein Heiliger zu werden. Es ist offensichtlich, dass ein schwacher Mensch und ein Heiliger sich nicht mehr miteinander identifizieren können. Das macht mich sowohl sehr wütend, als auch sehr traurig und es deprimiert mich.

Ich, heute:
Ich bin immer noch bei vielen Fragen am Suchen. Persönlich geht es mir zurzeit ziemlich gut und ich bin zuversichtlich und hoffnungsvoll, dass ich meinen Weg finden werde. Ich habe mich nicht von Gott abgesagt. Weil mit Gott selber hatte ich nie ein Problem. Aber mit dem Gott der Bibel und dem Jesus der Bibel, habe ich nachwievor grosse Probleme. Ich will einen freiheitlich denkenden Gott. Und ich will ihn durch persönliche Erfahrungen erleben. Und da darf mir niemand dreinreden. Denn es ist MEIN Leben. Und ich bin für mein Leben ALLEINE verantwortlich.

Epilog:
Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag ein bisschen aufzeigen, wie extrem wichtig es ist, dass man frei in seinem Denken ist. Und gerade religiöse Systeme und Richtig und Falsch-Schemas sind brutal gefährlich, dich unfrei zu machen. Und dich von dir selber wegzuführen. Mit anderen Worten: DIR DEIN LEBEN ZU RAUBEN!

Vorschau:
Wie bereits im vorherigen Blogartikel angekündigt, folgen im nächsten Blog meine Gedanken dazu, dass es unerlässlich ist, in seinem Denken ganz frei zu sein, wenn man seine Berufung oder Bestimmung (der tiefste Grund, warum ich da bin) im Leben finden und umsetzen will.

Ich wünsche euch bis dahin alles Gute und Liebe.
thoughts on life

 

 

4 Kommentare zu „Darkness, go back to hell!

  1. Klingt erschreckend und etwas nach geistlichem Missbrauch.

    Ich kenne auch beide Extreme. Die so sehr nach Heiligung streben, dass sie die Gnade vergessen und wer sie sind. Nach wie vor normale Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und dadurch irgendwo ja auch zu Heuchelei zwingen, wenn man dazugehören will.

    Auf der anderen Seite wiederum trauen sich angesichts dessen manche nichts mehr zu bewerten und legen den Mantel des Schweigens über alles, das schief läuft, weil man ja niemandem reinreden will.

    Wie hat Luther gesagt: Man kann immer von zwei Seiten vom Pferd fallen. Links übertriebene Werkgerechtigkeit/man muss perfekt sein also gar nicht mehr. Mensch, rechts billige Gnade/ Beliebigkeit.

    1. Hey Utopio. Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Gedanken zum Artikel. Ja, so kann man es sicher sehen. Aber wer sagt denn, dass der christliche Glaube grundsätzlich Recht hat? Lieber Gruss thoughts on life

      1. Ich weiß nicht ob die christliche Theologie immer Recht hat. Also das wie Menschen den christlichen Glauben interpretieren. Aber ich vertraue darauf, dass es einen die Menschen liebenden Gott gibt, der Jesus vom Grab erweckt hat. Das schenkt mir Hoffnung. Aber da kann ich nur von mir reden. Glaube ist etwas zwischen mir und Gott, da kann kein Dritter wen zu zwingen oder mitreden. Was du glaubst musst du selbst entdecken.

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