Warum syt dir so truurig? Aber warum gseht mes euch nid a?

Ich finde den Umstand, dass jemand traurig ist, eine Möglichkeit, sich tiefer und auf eine konstruktive Weise mit sich auseinanderzusetzen. Aber was ist, wenn man gar nicht auf seine Traurigkeit zugreifen kann? Wenn man sein tiefstes Schreien im Inneren nicht bemerkt? Wenn man gar nicht dazu kommt, sich damit zu beschäftigen?

Mani Matter meinte in seinem Text „Warum syt dir so truurig“: „Wohl, me gseht nech’s doch a!“ Ich aber nehme diese erwähnte Traurigkeit bei vielen Menschen nicht wahr. Ja, ab und zu schimmert diese vielleicht kurz hindurch. Aber dann schliesst sich sofort wieder der Vorgang zum Innersten dieses Menschen.

Vielleicht kann man den Song von den Berner Rappern Lo & Leduc „Warum düet dir so fröhlech“ auf letztere Weise verstehen. In ihrem Song-den man als eine Erwiderung auf Matters Text verstehen kann-singen sie: „U du bisch immer am strahle. Bi dir isch immer nur Frühlig.“ Kommen sie damit vielleicht zum gleichen Schluss wie ich, dass vielen Menschen der Zugang zu ihrem Innersten fehlt? Und sie aufgrund dieses fehlenden Zugangs immer nur fröhlich sind (oder fröhlich tun)?

Ich denke, erst wenn man seine Ängste, Verletzlichkeiten, Nöte-sozusagen seinen innersten Schrei-kennt, kann man diese bewusst wahrnehmen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Und das ist wichtig, so finde ich. Denn niemand muss den Anspruch an sich haben, nur fröhlich zu sein und keine Nöte zu haben. Lo & Leduc in ihrem Lied: „Aber nume Totächöpf lache ewig!“

Ich bin der Meinung, dass wir es vermehrt zulassen sollten, dass mein Gegenüber meine Nöte und Ängste wahrnehmen kann. Denn nur so sieht mein Mitmensch, wie es mir im Innersten wirklich geht und er oder sie kann mir dabei helfen und mich unterstützen.

Das Bild zum Blogbeitrag stammt von Gisela Mai. Vielen Dank, Gisela!

2 Kommentare zu „Warum syt dir so truurig? Aber warum gseht mes euch nid a?

  1. Du schreibst gut! Vielleicht sind viele aufgesetzt fröhlich, weil jeder denkt, man müsse so sein. So quasi ein falsches ungeschriebenes Gesetz der Gesellschaft.

    1. Vielen Dank! Ja, das ist ein guter Gedanke, dass man das Gefühl hat, fröhlich sein zu müssen, obwohl man eigentlich auch mal zeigen möchte, wie es einem wirklich geht. Vielleicht ist es auch einfach der Mensch, der sich vor Verletzlichkeit schützen will.

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